Wiener Hausberge – Bergprominenz am Ostende der Alpen

Wer sich von Wien den Alpen nähert, muss bekanntlich eine längere Strecke zurücklegen, bis er die ersten Hochgebirgsmassive erreicht. Es sind hauptsächlich zwei große Berggestalten, die die Wege der Wiener in die Alpen begleiten: Findet die Annäherung entlang der Süd(auto)bahn statt, so ist der 2076 m hohe Schneeberg die dominierende Erscheinung. Führt die Route indes entlang der West(auto)bahn, so tritt nach Übertreten der Wasserscheide im Wienerwald bald der Ötscher (1893 m) in Erscheinung. Die Bedeutung dieser beiden Berge wird auch durch die Punktzahl unterstrichen, die sie im Zuge der hier zugrundeliegenden Relevanzmessung erhalten. Die höchste Spitze des Schneebergs, das Klosterwappen, erhält 3284 Punkte und damit mehr als alle anderen Erhebungen der Wiener Hausberge einschließlich der Hochschwabgruppe. Der Ötscher unterschreitet mit 2816 Punkten die 3000er-Grenze knapp. Entlang der oben beschriebenen Wege findet sich näher an Wien kein Berg, der die Marke von 2000 Punkten erreicht. Schneeberg und Ötscher tauchen somit am Ostrand der Alpen recht plötzlich und mächtig in Erscheinung.

20011218-SchneebergWien01 k

Der Schneeberg an einem klaren Wintertag zwischen Prater-Riesenrad und Stephansdom

20011218-Ötscher2 k

Der Ötscher dominiert das Alpenvorland um Stift Melk (links unten) – gesehen vom Jauerling

Im Einzelnen lassen sich in den Untergruppen der Wiener Hausberge die folgenden markanten Berggestalten identifizieren.

Erste 1000er: Der Wienerwald

Wie in anderen kleineren Mittelgebirgen auch erreichen die Höhen des Wienerwalds Punktzahlen von 1000 und mehr Punkten. Der höchste Gipfel des Wienerwalds, der 893 m hohe Schöpfl, ist zugleich auch der Sieger nach Punkten (1258 P.), gefolgt vom 1115 Punkte erreichenden Hermannskogel, mit 542 m Höhe eher ein Gipfel mittlerer Höhe, allerdings der höchste der Wienerwaldhöhen nördlich der West(auto)bahn. Der Hohe Lindkogel, mit 832 m der höchste Gipfel des südöstlichen Wienerwaldes, erreicht Platz 3 (1095 Punkte).

Berge des Wienerwalds

Nach Punkten gibt es im Wienerwald drei Eintausender

Noch keine 2000: Unterberg und co

Die munter gewellte wildromantische Gebirgslandschaft, die sich dem Wienerwald südwestlich anschließt, kann sich noch nicht so recht zwischen Mittel- und Hochgebirge entscheiden. Den gängigen Alpeneinteilungen folgend werden die Berge den Gutensteiner und Türnitzer Alpen zugerechnet. Die mächtigsten Erhebungen dieses Berglands erreichen – nach Punkten – mehr als 1500 Punkte von Wien aus gesehen erstmals im 1342 m hohen Unterberg (1736 Punkte). Auch die Reisalpe (1399 m, 1821 P.) und der Türnitzer Höger (1372 m, 1778 P.) fallen in diese Kategorie. Die beiden Wien am nächsten gelegenen Erhebungen über 1000 m – Hocheck und Kieneck – erreichen Punktzahlen um 1170.

Nimmt man den Weg entlang der Süd(auto)bahn, taucht am südlichen Horizont bei klarer Sicht schnell der Wechsel auf, eine der höchsten Gebirgszüge der sog. Randgebirge östlich der Mur. Der Hochwechsel selber kommt, obwohl mit 1744 m Höhe und über 10 km Isolation eine durchaus beherrschende Erhebung, nach Punkten nicht an die Zweitausendergrenze – eine Folge seines geringen Reliefs – 1887 Punkte.

Die Ybbstaler Alpen als Zweitausendergebiet

Neben dem Ötscher, der zentralen Landmarke des westlichen Niederösterreichs, befinden sich in den Voralpen zwischen Erlauf und Enns eine Reihe weiterer mächtiger Bergstöcke, die nach Punkten die Zweitausendermarke überschreiten. Diese Hauptgipfel der Ybbstaler Alpen eint, dass sie zwischen 1700 und gut 1900 m hoch sind, aufgrund der Geologie des Gebiets regelrechte Bergstöcke mit jeweils hoher Eigenständigkeit bilden und von eher stumpfer Gestalt sind – die Spitze der Stumpfmauer ausgenommen – ausgerechnet!

Berge der Ybbstaler Alpen
Die sieben Zweitausender der Ybbstaler Alpen – angeführt vom Ötscher

20011218-Ötscher1 k

Der Ötscher an einem sonnigen Spätherbsttag aus dem Mariazeller Land gesehen

Die dargestellten Berge erreichen relative Höhen von 1400 bis 1600 m, da sie allesamt in den Niederungen von Enns, Ybbs und Erlauf fußen (30-km-Radius). Eine Ausnahme bildet der nach Süden ins Salzatal vorgeschobene Stock des Hochtürnach (1770 m). Er ist auch der der einzige der Ybbstaler Zweitausender mit einer Schartendifferenz (Prominenz) von weniger als 600 m. Dass er trotzdem in der Liga der Zweitausender mitspielt, verdankt er seiner erheblichen Reliefenergie. Er fällt im Radius seiner relativen Höhe (1315 m) immerhin 1075 m tief ab.

Zwei Dreitausender: Voralpen zwischen Schneeberg und Seeberg

Die Kalkstöcke der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen sind bekannt für ihre zurückhaltend hochalpine Erscheinung. Von unten betrachtet beeindrucken sie mit jähen Felsabbrüchen, mit denen sie sich über lieblichen Talschaften erheben. Richtige Gipfel indes fehlen ihnen, da sich oberhalb der Felsen sanfte Wiesenhochflächen befinden, die den Bergstöcken jeweils den Namen „Alpe“ geben: Raxalpe, Schneealpe, Veitschalpe. In dieser Situation können nur wenige Erhebungen wirklich punkten; es sind dies die höchsten Punkte der jeweiligen Bergstöcke. Ihnen kommt die relativ große Eigenständigkeit der Bergstöcke zugute. Und je näher ein solcher höchster Punkt am Rand der Hochfläche liegt, desto mehr profitiert er von der Relieftiefe des entsprechenden Abbruchs. An erster Stelle ist hier die Heukuppe in der Rax zu nennen (3030 Punkte). Wo der höchste Punkt eher mittig in der Hochfläche liegt, desto schlechter seine Chancen auf viele Punkte. Das Schicksal trifft die Schneealpe, deren höchster Punkt, der Windberg, mit 2293 Punkten immerhin deutlich die Zweitausend übersteigt.

Schneeberg k

Schneeberg (links), Rax (Mitte) und Schneealpe (rechts) – gesehen vom Unterberg

Neben den Hochflächen von Rax, Schneealpe und Veitsch gibt es als Phalanx im Norden wie im Süden drei nennenswert erhabene Berge, die die Marke von 2000 Punkten erreichen: Gippel und Göller im Norden und das Stuhleck als höchste Erhebung des steirischen Randgebirges im Süden.

20011218-Gippel k

Die schroffe Nordseite des Gippel

Berge der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen
Alle Berge über 2200 Punkte zwischen Schneeberg und Seebergsattel

Übrig bleibt der eingangs erwähnte Schneeberg, der mit 3284 Punkten in fast allen Belangen dem Rest des östlichen Alpenrandes überlegen ist: Mit 49,1 km Isolation, einer Schartendifferenz von 1344 m und 1800 m relativer Höhe braucht er dann nur ein mittelmäßiges Relief, um eine hohe Punktzahl zu erreichen.

20011218-SchneebergPuchberg01 k

Der Kaiserstein als derjenige Gipfel des Schneebergs, der sich unmittelbar über den steilen Nordostabstürzen befindet, erreicht immerhin noch 2041 Punkte, obwohl nur durch eine 26 m tiefe Einsattelung vom 15 m höheren Klosterwappen getrennt.

Wiener Hausberge alpin: Hochschwab und Gesäuse

Richtig hochalpine Formen findet der Wiener erst jenseits des Seebergsattels in den Gebieten von Hochschwab und Gesäuse, die man beide den Ennstaler Alpen zurechnen kann (was die meisten nur für das Gesäuse gewohnt sind). Die Berghöhen erreichen 2200 bis 2369 m. Während im Hochschwabstock nur der namengebende Berg selbst die Marke von 3000 Punkten überschreitet, lassen sich im Gesäuse gleich fünf Berge dieser Größenordnung identifizieren – der enormen Schroffheit des Geländes geschuldet. Diese Berge mit einer relativen Höhe von gut 1800 m Höhe fallen im Radius dieser relativen Höhe 1350 bis 1550 m tief ab. Hochtor und Großer Buchstein weisen zudem mit 1520 bzw. 1363 m gewaltige Eigenständigkeitswerte auf. Zieht man noch die über 20 km Isolation des Hochtors in Betracht, so verwundert es nicht, dass der höchste der Gesäuseberge einen herausragenden Punktwert von 3927 Punkten erhält und damit Platz 62 in der Rangliste der mächstigsten Alpenberge erreicht. Mehr ist in den Wiener Hausbergen nicht drin.

20011220-GesäuseSüdseite01 k

Gesäuseberge von Süden: hohe Eigenständigkeiten und kräftiges Relief. V.l.n.r.: Sparafeld, Reichenstein, Hochtorstock, Zinödl, Lugauer

20011220-Hochtor k

Das Hochtor (Bildmitte) ist mit 3927 Punkten der mächtigste Berg der Wiener Hausberge.

Berge Ennstaler Alpen und Hochschwab

Ausgewählte Berge in Gesäuse und Hochschwab. Zweite Siegerin im Hochschwabstock übrigens: die Riegerin mit 2678 Punkten. Sie stellt das Pendant zum Ybbstaler Hochtürnach als Wächter des Salzatals dar: 1229 m Relieftiefe im Radius von 1509 m relativer Tiefe, 459 m Schartendifferenz und 3,6 km bis zum nächsten höheren Punkt.

20020120-HochschwabNordwand k

Hochschwab: 2277 m und 3325 Punkte

(Alle Bilder dieses Beitrags sind in den Jahren 1997 und 1998 als Dias entstanden und daher nur von mäßiger Qualität)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s