Berge Vorarlbergs – das Ländle im Bergwertungs-Check

Die Bergwelt Vorarlbergs ist von besonderer landschaftlicher Schönheit. Im „Ländle“, wie das westlichste Bundesland Österreichs auch genannt wird, vereinen sich Voralpenland und Hochgebirge zu einer abwechslungsreichen Einheit auf kleinem Raum. Die Entfernung vom norwestlichen Eck des Bundeslands in Bodenseenähe zum Kamm der Silvretta an der Grenze zum Schweizerischen Unterengadin beträgt gerade mal 88 km. Geprägt ist die Landschaft von geologischer Vielfalt (Molasse, Flysch, Kalk, Gneis, …), zahlreichen Seen und – leider auch – ziemlich deutlichen Spuren des Skizirkus. Zur Voarlberger Bergwelt habe ich persönlich eine besondere Beziehung: Hier erklomm ich in den 1970er und 1980er Jahren als Kind und Jugendlicher erste bedeutende Gipfel wie Widderstein, Braunarlspitze und Roter Wand.

Aus diesem Grund war mir die vertiefte Auseinandersetzung mit den Bergmaßen dieses Landstrichs ein besonderes Anliegen. Die Erfahrungen von damals zeigten mir: Die höchsten Berge sind hier bei weiten nicht die bedeutendsten. Im Lechquellengebirge ist die höchste Erhebung (Gr. Wildgrubenspitze) weit unauffälliger als etwa die 50 m niedrigere Rote Wand. So fragte ich mich: Lassen sich diese Beobachtungen anhand der Bergwertung verifizieren? Und welche Rolle spielen bei den Top 10 Vorarlbergs die über 3000 m hohen Gletscherberge der Silvretta? Wie gut kann die Zimba dem Anspruch gerecht werden, das „Matterhorn Vorarlbergs“ sein zu sollen?

Mohnenfluh
Im hintersten Bregenzer Wald – hier Schröcken mit der Mohnenfluh – zeigt sich das Lechquellengebirge von seiner unberührten und gewaltigen Seite

Die Vermessung der Vorarlberger Bergwelt mit dem Verfahren der Bergwertung führt zu folgender grundlegender Beobachtung: Vorarlberg verfügt über vier „Dreitausender“ und 28 Berge mit mehr als 2500 Punkten. Alle finden sich in folgender Liste:

Rang

Berg

Punktzahl

Höhe (m)

Isolation(km)

Prominenz (m)

1.

Schesaplana

3852

2964

30,3

809

2.

Piz Buin

3210

3312

6,1

544

3. Pflunspitze 3163 2912 5,6 957
4. Rote Wand 3070 2704 11,0 878
5. Zimba 2996 2643 5,3 578
6. Großer Drusenturm 2972 2830 7,9 628
7. Gr. Seehorn 2964 3122 4,5 434
8. Braunarlspitze 2875 2649 5,6 600
9. Widderstein 2871 2533 6,5 845
10. Panüeler Kopf 2868 2859 2,4 146
11. Gr. Wildgrubenspitze 2867 2753 6,5 980
12. Vallüla 2778 2813 3,6 777
13. Zitterklapfen 2753 2403 6,7 563
14. Valschavieler Maderer 2751 2769 7,2 469
15. Spuller Schafberg 2745 2679 3,7 670
16. Sulzfluh 2727 2817 2,6 475
17. Wildberg 2715 2788 1,5 163
18. Valluga 2695 2809 8,8 572
19. Silvrettahorn 2665 3244 2,3 204
20. Fundelkopf 2629 2401 4,0 371
21. Isentällispitz 2628 2873 3,6 384
22. Hochkünzelspitze 2622 2397 4,4 337
23. Brandner Mittagspitze 2617 2557 1,8 170
24. Dreiländerspitze 2612 3197 2,0 306
25. Östl. Eisentalerspitze 2604 2753 2,4 358
26. Schrottenkopf 2572 2890 3,1 270
27. Zirmenkopf 2556 2805 0,5 100
28. Hochmaderer 2545 2823 2,1 318
29. Drusenfluh 2538 2827 0,8 190
30. Seekopf 2532 2698 1,1 163
31. Mohnenfluh 2515 2542 2,1 400
32. Karhorn 2514 2416 3,7 706

Die Plätze 1 bis 4 verteilen sich auf vier verschiedene Gebirgsgruppen: Rätikon, Silvretta, Verwall und Lechquellengebirge. Unter den Top 20 befinden sich lediglich vier Berge der Silvretta, obwohl dieses Gebirge die höchsten Berge stellt. Zusammen mit zwei Bergen des Verwall kommen die Zentralalpen nur auf sechs Top-20-Plätze. Die Eigenständigkeit und das Relief der Berge sind in diesem Teil der Alpen schwächer ausgeprägt als in den Teilen Vorarlbergs, die sich den Nördlichen Kalkalpen zurechnen lassen. Die vierzehn übrigen Plätze der Top 20 sind wie folgt vergeben: 7 mal Rätikon, 5 mal Lechquellengebirge sowie je 1 mal Allgäuer und Lechtaler Alpen (von diesen Gebirgsgruppe befinden sich nur kleine Teile auf Vorarlberger Landesgebiet). Das den Voralpen zuzurechnende Gebiet des Bregenzerwaldgebirges hat seine mächtigste Erhebung in der Kanisfluh auf Platz 41 (2415 Punkte).

Unter den Top 30 befinden sich gleich fünf Gipfel des Alpsteinstocks, wie das Massiv der Schesaplana im Rätikon auch genannt wird – nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Alpstein jenseits der Rheintalfurche. Dieses vielgipfligen Massiv verfügt über vergleichsweise so viel Relief, dass die geringen Prominenz- und Isolationswerte der nachgeordnet hohen Gipfel hier mehr als kompensiert werden.

Ach ja, und die Zimba? Was hat das markante Rätikon-Spitz nun mit dem Matterhorn gemeinsam? Sie kann zunächst nicht mehr als nur eine Miniaturausgabe des großen Bruders in der Schweiz sein, ist ihre relative Höhe mit 2226 m doch nur gut halb so groß wie die des Matterhorns (4088 m). Aber nimmt man einmal diese Größenordnung als gegeben (Zimba = 0,55 Matterhorn), so ergeben sich erstaunliche Parallelen: Die Prominenz der Zimba entspricht 56 % der Schartentiefe des Matterhorn, also auch hier näherungsweise: Zimba = 0,55 Matterhorn! Und noch etwas: Die Isolation des Matterhorns beträgt 17,5 % der Isolation des mächtigsten Schweizer Berges, des Monte Rosa. Und wen wundert jetzt, dass die Isolation der Zimba exakt 17,5 % der Isolation des mächtigsten Vorarlberger Berges misst? So ist es kein Zufall, dass Matterhorn wie Zimba nicht an der Spitze der jeweiligen Landes-Top-10 stehen. Beim Relief läuft die Zimba dem großen Bruder sogar den Rang ab und erreicht mit 61,2 % einen leicht besseren Reliefwert als das Matterhorn (58,9 %). Und schafft es so auf Rangplatz 5, während das richtige Matterhorn „nur“ Platz 6 der Schweizer Liste erreicht.

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