Erkundungen in Finnland

Ähnlich wie in Norwegen ist die Bestimmung des mächtigsten Berges auch in Finnland eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein Blick auf die Karte verweist einen schnell nach Lappland, genauer gesagt in den schmalen Nordwestzipfel des Landes zwischen Schweden im Westen und Norwegen im Norden und Osten. Hier ist Finnland einigermaßen bergig.

Zunächst möchte man beim höchsten Berg des Landes beginnen und fragen, ob dieser auch zugleich der mächtigste ist. Nun, Finnlands höchster Punkt ist gar keine Erhebung, sondern ein Punkt im Hang. Wobei „Hang“ hier die sanft ansteigende Fläche zu einem der Kulminationspunkte des Halti-Fjells meint. Dieser „Gipfel“ misst 1331 m und liegt ganz in Norwegen. Der Grenzstein zu Finnland aber nur auf 1324 m. Selbst wenn wahr geworden wäre, was zum 100. Unabhängigkeitstag Finnlands geplant gewesen war (dass Norwegen Finnland diesen Berg schenkt), wäre dieser niemals Finnlands mächtigster Berg nach der Bergwertung. Denn P. 1331 ist nur durch eine flache Senke von P. 1361 getrennt, dem höchsten Punkt des Fjells, den niemand je Finnland schenken wollte.

Auf der Suche nach Kandidaten für die höchste Punktzahl im Land habe ich eine Reihe von Fjells südlich des Halti überprüft. Spitzenreiter ist danach der (oder die?) Kovddoskaisi, 1242 m hoch und mit 402 m Prominenz recht eigenständig. Dank der steilen Südwestflanke kommt das Fjell auf 1886 Bergpunkte. Etwa so viel wie der Hohe Freschen in Vorarlberg oder der Hochwechsel am Ostrand der Alpen.

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Der 1029 m hohe Saana kommt auf 1668 Punkte. Anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Finnlands war er Gegenstand einer gigantischen Illuminierung (4./5. Dez. 2017). Foto: Simo Räsänen (CC-BY-SA-3.0)

Ich hielt es nicht für ausgeschlossen, dass von den weiter im Süden und Osten stehenden Erhebungen dank der größeren Isolation auch deutlich niedrigere Berge würden punkten können. Überprüft habe ich dies für den Sokosti (718 m) im Nationalpark Urho Kekkosen nahe der russischen Grenze und für den Pallastunturi (807 m) nahe der schwedischen Grenze. Für beide liegen die Punktwerte niedriger als beim Kovddoskaisi, wobei die Schartenhöhe kaum verlässlich angegeben werden kann. In Wikipedia eingetragene Prominenzen sind sogar fast immer falsch. Die Schwierigkeit besteht darin, in der eiszeitlich buckligen Landschaft so etwas wie eine prominenzrelevante Wasserscheide zu ermitteln. Bei einer angenommenen Schartenhöhe des Sokosti von 200 m, was näherungsweise hinkommen dürfte, kommt dieser auf 1802 Punkte.

Ähnlich wie im Nachbarland Norwegen ist auch hier die Bestimmung der mächtigsten Erhebung nicht abgeschlossen. Sicher ist nur, dass in beiden Ländern der höchste Punkt nicht den größten Berg markiert.

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