Erkundungen in Finnland

Ähnlich wie in Norwegen ist die Bestimmung des mächtigsten Berges auch in Finnland eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein Blick auf die Karte verweist einen schnell nach Lappland, genauer gesagt in den schmalen Nordwestzipfel des Landes zwischen Schweden im Westen und Norwegen im Norden und Osten. Hier ist Finnland einigermaßen bergig.

Zunächst möchte man beim höchsten Berg des Landes beginnen und fragen, ob dieser auch zugleich der mächtigste ist. Nun, Finnlands höchster Punkt ist gar keine Erhebung, sondern ein Punkt im Hang. Wobei „Hang“ hier die sanft ansteigende Fläche zu einem der Kulminationspunkte des Halti-Fjells meint. Dieser „Gipfel“ misst 1331 m und liegt ganz in Norwegen. Der Grenzstein zu Finnland aber nur auf 1324 m. Selbst wenn wahr geworden wäre, was zum 100. Unabhängigkeitstag Finnlands geplant gewesen war (dass Norwegen Finnland diesen Berg schenkt), wäre dieser niemals Finnlands mächtigster Berg nach der Bergwertung. Denn P. 1331 ist nur durch eine flache Senke von P. 1361 getrennt, dem höchsten Punkt des Fjells, den niemand je Finnland schenken wollte.

Auf der Suche nach Kandidaten für die höchste Punktzahl im Land habe ich eine Reihe von Fjells südlich des Halti überprüft. Spitzenreiter ist danach der (oder die?) Kovddoskaisi, 1242 m hoch und mit 402 m Prominenz recht eigenständig. Dank der steilen Südwestflanke kommt das Fjell auf 1886 Bergpunkte. Etwa so viel wie der Hohe Freschen in Vorarlberg oder der Hochwechsel am Ostrand der Alpen.

1920px-Saana_at_Kilpisjärvi,_2012_March
Der 1029 m hohe Saana kommt auf 1668 Punkte. Anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Finnlands war er Gegenstand einer gigantischen Illuminierung (4./5. Dez. 2017). Foto: Simo Räsänen (CC-BY-SA-3.0)

Ich hielt es nicht für ausgeschlossen, dass von den weiter im Süden und Osten stehenden Erhebungen dank der größeren Isolation auch deutlich niedrigere Berge würden punkten können. Überprüft habe ich dies für den Sokosti (718 m) im Nationalpark Urho Kekkosen nahe der russischen Grenze und für den Pallastunturi (807 m) nahe der schwedischen Grenze. Für beide liegen die Punktwerte niedriger als beim Kovddoskaisi, wobei die Schartenhöhe kaum verlässlich angegeben werden kann. In Wikipedia eingetragene Prominenzen sind sogar fast immer falsch. Die Schwierigkeit besteht darin, in der eiszeitlich buckligen Landschaft so etwas wie eine prominenzrelevante Wasserscheide zu ermitteln. Bei einer angenommenen Schartenhöhe des Sokosti von 200 m, was näherungsweise hinkommen dürfte, kommt dieser auf 1802 Punkte.

Ähnlich wie im Nachbarland Norwegen ist auch hier die Bestimmung der mächtigsten Erhebung nicht abgeschlossen. Sicher ist nur, dass in beiden Ländern der höchste Punkt nicht den größten Berg markiert.

Bergwertung 2.0

Mit dem heutigen Tag liegt der Bergwertung eine neue Umrechnungsformel zugrunde, mit der aus dem Relevanzwert R eines Berges dessen Punktzahl ermittelt wird.
Die bis zuletzt verwendete Funktion f(R) = [lg (R + 1)]^0,25 * 8848/1,08161608 hatte mehrere Schwächen:
Sie war an die Höhenzahl des Mount Everest gebunden, um von dort her alle Punktwerte kleinerer Berge zu normieren. Bei jeder Neuvermessung des höchsten Berges der Erde würde also eine neue Formel benötigt. Inzwischen wird die Höhe des Everest öfters mit 8850 m angegeben, so dass schon jetzt eine unerfreuliche Situation für die Bergwertung aufgetreten war.
Zweitens hatte die Funktion für Relevanzwerte ab ca. 10 eine sehr schwache Steigung, so dass sich Größenunterschiede zwischen Himalaya-Riesen und den größten europäischen Bergen kaum mehr in Punktunterschieden auswirkten (Montblanc bereits 8113 Punkte).
Schließlich erreichten 40 Alpenberge mehr als 6000 Punkte, was gemessen an den Dimensionen anderer Hochgebirge recht hochgegriffen schien.
Kurzum: die Funktion F(R) = [lg (R + 1)]^0,25 stieg für kleinere Berge zu steil, für die richtig großen Berge hingegen zu schwach.

Eine deutliche Verbesserung dieser Problematik ergibt sich mit der neuen Umrechnungsformel
f(R) = (-640/(640+g(R))+1)*g(R)
mit g(R) = 2780*(exp(R^0.127)-1).

Die Unterschiede zwischen den beiden Funktionen können in der folgenden Grafik abgelesen werden:

Bergwertung Formel-Differenz
Neue (blau) und alte (rot) Umrechnungsfunktion für Relevanzwerte der Bergwertung. Der x-Wert 22,4 markiert die Position des Mount Everest. Die blaue Funktion würde für größere Berge auch noch deutlich größere Werte generieren, die rote kaum.

Für das Verhalten der beiden Funktionen für x-Werte nahe 0 vgl. die beiden folgenden Abbildungen:

Bergwertung Formel-Differenz b
Bei kleinen Mittelgebirgsbergen (ca. 450 Punkte) schneiden sich die beiden Funktionen blau (neu) und rot (alt).
Bergwertung Formel-Differenz c
Eine Verschiebung der Punktwerte von rot gegenüber blau ins Positive ist lediglich für kleinste Erhebungen ersichtlich – etwa in der Größenordnung von 15-25 Punkten.

Mit der neuen Umrechnungsformel werden die Punktzahlen insgesamt niedriger ausfallen. Auf die Datenbasis von aktuell 1120 Bergen bezogen sinkt der Mittelwert der Punktwerte von 3170 auf 2277. Er liegt damit in etwa in der Größenordnung des Mittelwertes der absoluten Höhe (2334).

Top 10 der Berge Irlands

Anlässlich eines Sommerurlaubs auf der grünen Insel habe ich mich ein wenig mit den morphologischen Höhepunkten Irlands befasst. Wie an vielen Stellen beschrieben gleicht Irland einem Teller, in der Mitte flach, an den Rändern sich zu Berggruppen aufschwingend, deren Lage dicht an den Küsten zu teils eindrucksvollem Relief führt. Das fast vollständige Fehlen von Bäumen und Wald trägt zu einem eher dem Hoch- als dem Mittelgebirge entsprechenden Eindruck der Bergwelt bei. Die Formen sind eiszeitlich abgerundet, weshalb die Gipfel oft Plateau-Charakter aufweisen und die steilen Flanken etwas unterhalb ansetzen. Auch wenn der höchste Berg Irlands nur knapp über 1000 Meter misst, finden wir doch immerhin – verteilt über verschiedene Regionen der Insel – mehr als 10 Berge mit mehr als 2000 Punkten (nach der Berechnungsweise der Bergwertung). In die Top 10 haben es alle mit mehr als 2150 Punkten geschafft. Das Schlusslicht der Liste ist ausgerechnet der Iren liebster: der Berg des Landesheiligen Patrick.

Die Rangliste umfasst Berge zwischen 688 und 1040 Metern Höhe, davon einer (Slieve Donard) in Nordirland gelegen:

Rang Berg Punktzahl Höhe (m) Isolation(km) Prominenz (m)
1. Carrauntoohil 2938 1040 401,2 1040
2. Brandon Mountain 2518 952 42,9 934
3. Galtymore Mountain 2485 919 111,0 899
4. Mount Errigal 2369 752 139,3 682
5. Croaghaun-Tonacroaghaun 2361 688 34,3 688
6. Mweelrea 2358 814 157,5 779
7. Slieve Donard 2326 850 139,0 825
8. Nephin 2275 806 51,6 766
9. Lugnaquilla 2251 925 159,9 905
10. Croagh Patrick 2155 764 12,0 640

Sechs der zehn mächtigsten Bergen Irlands verfügen über eine Isolation von mehr als 100 Kilometern. Daran ist ablesbar, wie sehr sich die Top 10 über die Regionen der Insel verteilen. Im Uhrzeigersinn von Norden startend sind diese sechs: Slieve Donard an der Ostküste Nordirlands; der Lugnaquilla als höchste Erhebung der Wicklow Mountains südlich von Dublin; Galtymore als einer der wenigen mehr im Landesinneren befindliche Berge – gelegen im Dreieck zwischen Limerick, Cork und Waterford; der Carrauntoohil als höchster des Südwesten; Mweelrea als höchste Erhebung Connemaras und schließlich die Pyramide des Errigal als markantem Höhepunkt Donegals im Nordwesten.

Croaghaun
Der steilste unter den 10 mächtigsten Bergen Irlands ist der Croaghaun, der die Westspitze von Achill Island markiert und knapp 700 Meter unmittelbar in den Atlantik abbricht.

Zieht man den Alpenraum als Vergleichsmaßstab für die in Irlands Bergen maximal erreichten Punktzahlen heran, so gibt es hier eine gewisse Ähnlichkeit mit den Ybbstaler Alpen, den Mürzsteger Alpen, den Tuxer Voralpen und den Sarntaler Alpen.

Schließen möchte ich den Beitrag mit Bildern einiger weiterer irischer Berge, die es nicht in die Top 10 geschafft haben und dennoch aufgrund ihrer geografischen Eigenschaften ein wenig Aufmerksamkeit verdienen.

SAMSUNG CSC
Der Slievemore ist (neben dem Croaghaun links) der beherrschende Berg von Achill Island. Er ist im „Irischen Tagebuch“ von Heinrich Böll beschrieben. Mit 672 m Höhe, 9.4 km Isolation und 583 m Prominenz kommt er auf 2038 Bergpunkte.
SAMSUNG CSC
Die Klippen des Sleave League an der Westküste Donegals gehören zu den höchsten des Landes. Der 595 m hohe Bergzug ist hier aus einer Entfernung von gut 60 km fotografiert. Slieve League erreicht 2045 Punkte.
SAMSUNG CSC
13 km vor der Küste Iveraghs – und vom berühmten Ring of Kerry oft sichtbar – liegen die beiden Klippeninseln der Skelligs. Die höhere von beiden – Skellig Michael – ist wegen ihrer frühchristlichen Besiedlungsspuren Weltkulturerbe. Das 217 m hohe Spitz erreicht trotz seiner idealen Relief-, Isolations- und Prominenzwerte nur 830 Bergpunkte. Mit seiner geringen Höhe bleibt Great Skellig eben doch eher klein.

Beidseits des Inn: Berge zwischen Innsbruck und Jenbach

Welche sind die mächtigsten Berge rund um das Städtchen Hall in Tirol? Wie schneiden die Berge der Tuxer Alpen und des Karwendels in den dafür einschlägigen Merkmalen Höhe, Prominenz und Isolation/Dominanz ab? Sollten weitere Merkmale berücksichtigt werden? Welche Rolle spielen in den vorgestellten Ranglisten die beiden Berge, die den Titel des Mitteilungsblättchens der Sektion bilden: Glungezer & Geier? Diesen Fragen gehe ich als Mitglied der ÖAV-Sektion Hall nach.

Meine Mitgliedschaft in der Alpenvereinssektion Hall in Tirol verdanke ich einer spontanen Laune an einem langen und regnerischen Hüttenabend auf der Glungezer-Hütte, gut 2000 Meter oberhalb des Städtchens Hall im Inntal. Endlich besser versichert durch die Berge kraxeln, den einen oder anderen Vorzug auf den Hütten genießen und schließlich auch die Infrastruktur für Hütten und Wege unterstützen, das sollte doch eine Jahresgebühr wert sein. Mein Entschluss zum Vereinsbeitritt traf auf die freundliche Aufnahmebereitschaft des Hüttenwirts Gottfried Wieser. Seither bin ich als Bonner „Piefke“ zahlendes Mitglied des ÖAV. Die Gegend liegt mir seit vielen Jahren am Herzen, und mit diesem Beitrag würdige ich die Bergwelt der Sektion mit einer kleinen Vorstellung ihrer morphologischen Höhepunkte.

SAMSUNG CSC
Jener Tag, an dem ich mich für die ÖAV-Sektion Hall entschied …

Die Gebirgsgruppen beidseits der tief eingeschnittenen Inntalfurche zwischen Innsbruck und Jenbach könnten gegensätzlicher nicht sein: auf der einen Seite die steil aufragenden und zerklüfteten Karwendelspitzen – der Sonne zugewandt, auf der Schattenseite die sanfteren Erhebungen der Zentralalpen, die hier den wenig vorteilhaften Namen „Tuxer Voralpen“ tragen, obwohl sie durchweg Höhen von 2600 m übersteigen. Das Gebiet ist ein wunderbares Experimentierfeld für die Eignung von geografischen Kennzahlen, mit denen Berge klassifiziert werden können. Hierzu stelle ich jeweils die Top 10 der höchsten, isoliertesten und prominentesten Berge vor. Dabei zeigt sich: Um die wahren Unterschiede ans Licht zu heben, bedarf es einer komplexeren Modellierung, wie sie zum Beispiel mit der Bergwertung vorliegt.

KarteDas Untersuchungsgebiet des Beitrags sind die zum Inntal entwässernden Gebiete zwischen Innsbruck und Jenbach, also das Karwendel vom Solstein im Westen bis zum Stanser Joch im Osten sowie die Tuxer Voralpen vom Patscherkofel zur Kellerjochgruppe. Es umfasst alle Seitenkämme und wird begrenzt durch die Wasserscheiden zum Karwendeltal, zum Achensee, zum Zillertal und zum Wipptal. Kartengrundlage: Google Maps

Beginnen wir mit den Top 10 der jeweils höchsten Berge:

Karwendel  m Tuxer Voralpen  m
Großer Bettelwurf 2726 Lizumer Reckner 2886
Großer Lafatscher 2696 Geier 2857
Roßkopf 2670 Lizumer Sonnenspitze 2831
Hintere Bachofenspitze 2668 Kalkwand 2826
Grubenkarspitze 2663 Rosenjoch 2796
Vordere Bachofenspitze 2663 Grünbergspitze 2790
Kleiner Bettelwurf 2650 Torwand 2768
Kleiner Solstein 2637 Rastkogel 2762
Kleiner Lafatscher 2636 Tarntaler Köpfe 2757
Brantlspitze 2626 Malgrübler 2749

Hier liegen die Tuxer klar vorne. Alle zehn höchsten Gipfel sind höher als der höchste Karwendelberg der Region, der Bettelwurf. Aber sind sie auch gemessen an anderen Indikatoren die bedeutenderen Berge?
Unter „Isolation“ (oder auch „Dominanz“) verstehen Geografen die Entfernung zum nächst höheren Punkt. Je weiter Berge von anderen weg stehen, umso isolierter und bedeutender erscheinen sie. Der Dominanzcheck ergibt ein überwiegend ausgewogenes Bild:

Karwendel  km Tuxer Voralpen  km
Großer Bettelwurf 8,3 Rastkogel 8,3
Kleiner Solstein 8,0 Lizumer Reckner 8,0
Großer Lafatscher 4,9 Rosenjoch 7,2
Hochnissl 3,6 Hirzer 5,9
Grubenkarspitze 3,4 Gilfert 5,4
Eiskarlspitze 2,8 Kellerjoch 5,3
Rappenspitze 2,3 Malgrübler 4,0
Kemacher 2,1 Patscherkofel 2,8
Brantlspitze 2,0 Kalkwand 2,3
Rauer Knöll 1,9 Torspitze 2,0

In beiden Gebirgszügen liegen die Werte bei den Top 10 der isoliertesten Berge zwischen gut acht und etwa zwei Kilometern. Wir finden in den Tabellen ganz andere Bergnamen als in der Liste der höchsten Berge – zum Beispiel den Patscherkofel als Hausberg von Innsbruck oder die Rappenspitze im östlichsten Karwendelzipfel zum Achensee hin. In den Tuxer Bergen gibt es immerhin sieben Berge mit vier oder mehr Kilometern Dominanz. In den Karwendelbergen der Region sind es nur drei. Hier spiegelt sich die relative Weitläufigkeit der Tuxer Voralpen.

Ein weiterer Zugang zur geografischen Bedeutung von Bergen kann über die sogenannte Schartentiefe erfolgen. Das meint den Höhenunterschied, den ich von einem Berg mindestens hinuntergehen muss, um auf einen höheren Punkt zu gelangen. Man gibt die Schartentiefe als Maßzahl der Prominenz oder Eigenständigkeit von Bergen an. Unterscheiden sich die Berge links und rechts des Inn in Sachen Eigenständigkeit?

Karwendel  m Tuxer Voralpen  m
Großer Bettelwurf 814 Kellerjoch 669
Großer Lafatscher 615 Lizumer Reckner 548
Kleiner Solstein 516 Rastkogel 470
Hochnissl 367 Rosenjoch 466
Rauer Knöll 325 Hirzer 433
Rappenspitze 313 Kalkwand 342
Rumer Spitze 296 Torspitze 277
Eiskarlspitze 280 Malgrübler 270
Kemacher 280 Gilfert 256
Brantlspitze 276 Patscherkofel 211

Das Niveau der Prominenzwerte ist im Karwendel erkennbar höher als in den Tuxer Bergen. So finden wir hier drei Gipfel mit mehr als 500 Metern Prominenz. Mit über 800 Metern Schartentiefe nimmt der Bettelwurf hier wiederum die Spitzenposition ein, wie schon bei Höhe und Isolation. In den Tuxer Alpen führt ein Berg die Prominenztabelle an, der weit weg der höchsten Gipfel eine bedeutende, weil weit vorgelagerte Erscheinung darstellt, das Kellerjoch bei Schwaz. Nur ein weiterer Berg verfügt über mehr als 500 Meter Prominenz. Bei Platz 10 werden noch 211 Meter Eigenständigkeit erreicht, während im Karwendel Platz 10 immerhin noch über 276 Meter Schartentiefe verfügt. Kurzum: Die Karwendelberge der Region sind etwas selbstständiger als ihr Tuxer Gegenüber, obwohl das Kalkgebirge als Kettengebirge eigentlich wenig Potenzial für eigenständige Berge hat.

Den eigentlichen morphologischen Unterschieden zwischen den Bergen links und rechts des Inn kommt man mit den bisherigen Maßzahlen noch nicht gut auf die Spur. Das Bild ist insbesondere bei den Tuxer Bergen einigermaßen widersprüchlich. Auf Platz 1 befinden sich je nach betrachtetem Merkmal der Lizumer Reckner, der Rastkogel bzw. das Kellerjoch. Anders in den Karwendelbergen: Hier führt der Bettelwurf in jeder der Kategorien.

Weder Höhe, noch Prominenz noch Isolation allein sagen viel über die Mächtigkeit von Bergen aus. Eher schon geht es um die Verknüpfung aller drei Merkmale und um die Anreicherung um weitere Aspekte. Mit dem Verfahren der Bergwertung gelingt dies. Alle genannten Parameter fließen hier ein, dazu auch das Verhältnis der Berge zur näheren und ferneren Gipfelflur. Was das betrifft, so haben die Tuxer Berge einen Nachteil: sie werden durch die Olperergruppe im Süden erkennbar überragt – in dieser Hinsicht ist der Name „Voralpen“ dann vielleicht doch nachvollziehbar. Der ganz offensichtliche Unterschied zwischen den Gebirgsgruppen dürfte aber in ihrer Schroffheit bestehen. In dieser Hinsicht haben die Karwendelberge eindeutig die Nase vorn. Sie verfügen über erheblich ausgeprägteres Relief. Das entsprechend auf eine einzelne Punktzahl verdichtete Ergebnis zeigen die Top 10 nach der Bergwertung.

Karwendel  Punkte Tuxer Voralpen  Punkte
Großer Bettelwurf 3633 Lizumer Reckner 2639
Großer Lafatscher 3168 Rosenjoch 2518
Kleiner Solstein 2926 Hirzer 2516
Hochnissl 2911 Kalkwand 2490
Eiskarlspitze 2841 Malgrübler 2477
Brantlspitze 2836 Rastkogel 2367
Grubenkarspitze 2805 Kellerjoch 2248
Speckkarspitze 2607 Torspitze 2173
Rumer Spitze 2534 Gilfert 2120
Lamsenspitze 2529 Hippoltspitze 1991

Die Punktzahlen der beiden Gebirgsgruppen unterscheiden sich ganz erheblich. Das Niveau innerhalb der Karwendel-Top-10 liegt um etwa 500 bis 1.000 Punkte höher als in den Tuxer Voralpen. Der Große Bettelwurf, der in allen hier betrachteten Kategorien bereits vorne lag, punktet besonders in Sachen Relief und sichert sich somit unangefochten den Spitzenplatz. Während alle Berge der Karwendel-Top-10 mehr als 2500 Punkte haben, erreichen dies in den Tuxer Top 10 nur drei. Die Punktzahl von Platz 1 der Tuxer (Lizumer Reckner) entspricht etwa Rang 8 des Karwendels. Der Reckner ist dabei der einzige Berg, der es überhaupt in die gemeinsame Top 10 beider Gebirge schafft.

SAMSUNG CSC
Höchster Tuxer und doch nur der einzige in der Top 10 der Region: Lizumer Reckner

Auf die Plätze 10 beider Ranglisten schaffen es Berge, die in keiner der zuvor präsentierten Listen (zu Höhe, Isolation und Prominenz) aufgetaucht waren: Lamsenspitze und Hippoltspitze. Beide punkten durch Relief und Zugehörigkeit zur regionalen Gipfelflur.

Schließlich lohnt noch ein Blick auf die Plätze 11 beider Regionen: Im Karwendel gelangt auf diesen Platz die Hohe Fürleg, das Osteck des Bettelwurfkamms, und damit der Berg mit dem ausgeprägtesten Relief der gesamten Region – trotz geringer Eigenständigkeit und Isolation. In den Tuxer Bergen landet auf Platz 11 der Glungezer, eine Erhebung, die ganz im touristischen Interesse der Sektion Hall steht. Für eine höhere Platzierung sind bei ihm Eigenständigkeit (50 m) und Isolation (1,0 km) ebenso zu gering ausgeprägt wie sein Relief. Er ist nicht mehr und nicht weniger als der Eckpunkt eines mächtigen Kamms, dessen Punkte nach der Bergwertung am ehesten dem Rosenjoch zustehen. Egal, dank seiner gipfelnahen Hütte ist und bleibt der Glungezer das klassische Tourenziel für die Übernachtung am Berg. Und was ist mit dem Geier, dem anderen der beiden Berge, die im Titel des Mitteilungsblättchens der Sektion auftaucht? Er liegt in der Rangliste nach der Bergwertung mit 1937 Punkten knapp hinter dem Glungezer. Auch er verdankt seine Bekanntheit wohl weniger seiner Morphologie, sondern der Schönheit der Tour auf seinen Gipfel.

Die mächtigsten Berge Deutschlands

Sie heißen Vogel, Kalter, Blassen, Wanner oder Thron. Zusammen mit der Vorsilbe „Hoch“ gehören sie zu den mächtigsten Bergen Deutschlands – hinter der Zugspitze, versteht sich, der unangefochtenen Nummer 1 des Landes.

Der 2962 m hohe Grenzgipfel im Werdenfelser Land ist nämlich nicht nur Deutschlands höchste Erhebung, sondern auch die mächtigste nach der Berechnungsweise der Bergwertung. In die Punktzahl der Zugspitze von 4144 fließt ein, dass sie im Umkreis von 25,9 km die höchste Erhebung ist („Isolation“), dass man mindestens 1746 m absteigen muss, um auf einen höheren Berg zu gelangen („Prominenz“), dass sie eine relative Höhe von 2379 m im Umkreis von 30 km aufweist und in diesem Umkreis nur geringfügig von anderen Bergen überragt wird (um 119 m). Schließlich wird in der Punktewertung belohnt, dass die Zugspitze im Radius von 2,38 km (also im Radius der relativen Höhe) von keinem anderen Berg überragt wird und um satte 1662 m abfällt. Die Zugspitze erreicht trotz dieser beeindruckenden Werte nur Platz 43 der Alpenberge.

Watzmann
Zugspitze von Westen

Insgesamt ist es um die deutschen Berge punktemäßig nicht besonders gut bestellt im Vergleich zu den anderen Alpen-Anrainerstaaten. Neben dem einen „Viertausender“ (Zugspitze) gibt es fünf „Dreitausender“, von denen drei in den Berchtesgadener Alpen liegen. Neben der Zugspitze zählt nur der 3908 Punkte schwere Watzmann auch zur Top-100 der Alpen. Zum Vergleich: Italien stellt 38 der 100 mächtigsten Alpenberge.

Die deutschen Alpenberge schneiden punktemäßig eher schlechter ab, weil sie u.a. über eine für Alpenverhältnisse unterdurchschnittliche relative Höhe verfügen. Der Grund: Sie sind nicht nur absolut von geringerer Höhe, sondern zudem ist das deutsche Alpenvorland weniger tief gelegen als etwa das Schweizer Mittelland oder die Poebene am Fuße der Südalpen. Von der geringeren relativen Höhe betroffen sind vor allem die westlichen bayerischen Gebirgsgruppen der Allgäuer und Ammergauer Alpen. Schließlich werden einige prominente Vertreter der deutschen Alpen so deutlich von nahen höheren Österreichischen Nachbarn überragt, dass ihr Punktwert einige Abwertungen erfährt. Gegen Osten hin wiegen diese Nachteile weniger stark; zudem sind hier Eigenständigkeit und Relief stärker ausgeprägt. Daher finden sich unter den Top-20 der mächtigsten deutschen Berge zehn aus dem äußersten südöstlichen Zipfel des Landes, den Berchtesgadener Alpen. Überhaupt die Nähe zur Alpenrepublik: 15 der 20 mächtigsten Berge Deutschlands stehen auf der Grenze zu Österreich.

Watzmanngruppe
Watzmann: Dank seiner gigantischen Ostwand erreicht das Wahrzeichen des Berchtesgadener Landes überragende Reliefwerte: Im Umkreis seiner relativen Höhe (2,29 km) fällt er 1963 m tief ab.

Hier nun die angekündigte Liste der 25 mächtigsten Berge Deutschlands, die alle Berge mit mehr als 2500 Punkten umfasst:

 

Rang

Berg

Punktzahl

Höhe (m)

Isolation (km)

Prominenz (m)

1.

Zugspitze

4144

2962

25,9

1746

2.

Watzmann Mittelspitze

3908

2713

15,6

948

3. Hoher Göll 3332 2522 11,2 794
4. Hochkalter 3298 2607 4,4 612
5. Hochwanner 3260 2744 5,0 699
6. Östl. Karwendelspitze 3094 2538 3,4 743
7. Stadelhorn 2950 2286 5,1 1136
8. Watzmann-Südspitze 2909 2712 0,8 118
9. Hochkarspitze 2865 2482 4,4 662
10. Gr. Hundstod 2857 2593 4,3 474
11. Schneefernerkopf 2854 2874 1,5 175
12. Hocheisspitze 2813 2523 2,9 410
13. Hochvogel 2812 2592 5,4 572
14. Leutascher Dreitorspitze 2803 2682 5,0 346
15. Vogelkarspitze 2673 2524 0,9 279
16. Gr. Teufelshorn 2635 2362 3,1 340
17. Berchtesgadener Hochthron 2612 1972 11,5 1277
18. Biberkopf 2577 2599 3,3 279
19. Gr. Arber 2558 1456 150,0 1031
20. Funtenseetauern 2555 2578 4,1 220
21. Hochblassen 2554 2703 1,1 123
22. Alpspitze 2551 2628 0,8 165
23. Kreuzspitz 2537 2185 10,6 1182
24. Wettersteinwand 2531 2482 3,2 178
25. Sonntagshorn 2509 1961 8,8 1182

Außerhalb der Alpen erreichen wenige deutsche Berge höhere Punktzahlen. Anders als zum Beispiel in England oder Irland, wo Berge unter 1000 m oft ein ausgeprägtes Relief haben, sind deutsche Mittelgebirgserhebungen eher sanft geformt und schaffen trotz riesiger Dominanzen nur selten die Marke von 2000 Punkten.

Von den deutschen Mittelgebirgen erreichen Erhebungen in elf Gebirgen eine maximale Punktzahl von mehr als 1500: Bayerischer Wald, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Pfälzer Wald, Taunus, Eifel, Harz, Rhön, Thüringer Wald, Erzgebirge und Fichtelgebirge. Einen Überblick über die Punktzahlen ausgewählter deutscher Mittelgebirgserhebungen zeigt die folgende Tabelle:

Berg Gebirge Punktzahl  Höhe (m) Isolation (km)
Gr. Arber Bayerischer Wald 2558 1456 150,0
Feldberg Schwarzwald 2449 1493 97,0
Belchen Schwarzwald 2363 1414 13,5
Gr. Rachel Bayerischer Wald 2164 1452 23,8
Hornisgrinde Schwarzwald 2111 1163 54,5
Brocken Harz 1993 1142 224,0
Kandel Schwarzwald 1921 1241 18,6
Herzogenhorn Schwarzwald 1817 1415 3,0
Wasserkuppe Rhön 1711 950 60,0
Gr. Feldberg Taunus 1677 880 101,0
Hohe Acht Eifel 1606 747 63,2
Fichtelberg Erzgebirge 1600 1215 9,0
Gr. Beerberg Thüringer Wald 1599 983 103,0
Kalmit Pfälzer Wald 1585 673 36,0
Lemberg Schwäbische Alb 1572 1015 37,4
Schneeberg Fichtelgebirge 1514 1051 83,3
Erbeskopf Hunsrück 1489 816 111,0
Hoher Meißner Nordhessen 1472 754 59,0
Langenberg Rothaargebirge 1466 843 116,0
Milseburg Rhön 1393 835 5,2
Donnersberg Nordpfälzer Bergland 1390 687 55,0
Ochsenkopf Fichtelgebirge 1386 1024 3,8
Hirschenstein Bayerischer Wald 1306 1095 11,5
Hesselberg Mittelfranken 1142 689 34,0
Raßberg Eifel 1126 665 3,3
Kahler Asten Rothaargebirge 1120 842 11,8
Aremberg Eifel 1063 623 12,6
Taufstein Vogelsberg 1052 773 43,0
Gr. Ölberg Siebengebirge 1014 22,4 460
Fuchskaute Westerwald 956 657 27,7
Bussen Oberschwaben 837 767 11,4
Wilseder Berg Lüneburger Heide 675 169 94,9
Hülser Berg Niederrhein 133 2,2 63

Rotenfels
Reliefwunder: Der Rotenfels bei Bad Münster am Stein im unteren Nahetal bildet laut Wikipedia mit 202 Metern Wandhöhe und 1200 Metern Breite die größte Steilwand zwischen Alpen und Skandinavien. Obwohl der Gipfel nicht unmittelbar an der Abbruchkante liegt, erreicht der Rotenfels für deutsche Verhältnisse einen überragenden Reliefkoeffizienten. Im Umkreis seiner relativen Höhe von 256 m fällt er um 197 m ab. Der Rotenfels erreicht 734 Punkte bei 327 m Höhe, 117 m Prominenz und 5,3 km Isolation.

Top 100 – Die mächtigsten Berge der Alpen

Hier sind sie – die 100 wichtigsten Alpenberge nach der Berechnungsweise der Bergwertung. Erwartungsgemäß erhält der Montblanc als mächtigster Alpenberg eine Punktzahl in Nachbarschaft zu den höchsten Bergen Ozeaniens (Carstensz-Pyramide) und Afrikas (Kilimandscharo), knapp 7000 Punkte. Dann folgen in der Rangliste zwei „Fünftausender“ und 52 „Viertausender“. Für das Erreichen von Platz 100 reichen dem Monte Emilius im Aostatal 3717 Punkte.

Unter den Top 100 befinden sich 54 Westalpen- und 46 Ostalpenberge – ein recht ausgewogenes Bild. Unter den Top 10 sind indes nur drei Ostalpenberge. Die wahren Riesen der Alpen befinden sich wohl doch im Westen. Hier geht es zur Karte der 100.

Rang

Berg

Punktzahl

Höhe (m)

Isolation(km)

Prominenz (m)

1.

Montblanc

6913

4810

2812,0

4697

2.

Monte Rosa Dufourspitze

5668

4634

78,2

2165

3. Barre des Ecrins 5036 4102 107,3 2045
4. Monte Viso 4985 3841 60,4 2062
5. Weisshorn 4971 4506 11,1 1235
6. Dom 4931 4545 16,8 1046
7. Ortler 4895 3905 49,0 1950
8. Piz Bernina 4850 4049 138,0 2234
9. Finsteraarhorn 4846 4274 51,7 2279
10. Monte Antelao 4790 3263 31,0 1723
11. Triglav 4739 2864 72,3 2059
12. Matterhorn 4675 4478 13,7 1031
13. Großglockner 4668 3798 175,0 2428
14. Gran Paradiso 4660 4061 44,4 1879
15. Wildspitze 4632 3768 48,6 2258
16. Grand Combin de Grafeneire 4591 4314 26,4 1517
17. Pointe de la Grande Casse 4589 3855 36,3 1305
18. Jungfrau 4577 4158 8,2 692
19. Hoher Dachstein 4518 2995 47,7 2136
20. Marmolada di Penia 4511 3342 55,3 2137
21. Montasch 4463 2751 31,3 1595
22. Tödi Piz Russein 4443 3614 42,0 1570
23. Monte Civetta 4439 3220 16,0 1447
24. Cima Sud Argentera 4431 3297 54,3 1306
25. Mont Pourri 4392 3779 13,8 1127
26. Rheinwaldhorn 4390 3402 35,0 1337
27. Hochkönig 4359 2941 34,4 2176
28. Grivola 4352 3969 8,5 714
29. Schreckhorn 4334 4078 5,5 794
30. Grand Pic de la Meije 4324 3983 9,6 825
31. Dent Blanche 4314 4357 7,2 915
32. Dent Parrachée 4272 3697 13,1 1182
33. Grandes Jorasses 4251 4208 7,7 843
34. Ringelspitz 4222 3247 29,9 840
35. Punta Sorapiss 4219 3205 7,2 1085
36. Bietschhorn 4196 3934 13,4 806
37. Großer Priel 4186 2515 41,0 1711
38. Mönch 4181 4107 3,5 589
39. Grintovec 4170 2558 53,2 1704
40. Weissmies 4166 4017 11,0 1171
41. Hochfeiler 4154 3510 49,1 957
42. Balmhorn 4152 3698 12,3 1022
43. Zugspitze 4144 2962 25,9 1746
44. Pointe de Charbonelle 4140 3752 22,4 994
45. Cima Presanella 4125 3556 18,4 1672
46. Aletschhorn 4117 4193 12,9 1035
47. Sommet des Diablerets 4098 3210 14,3 968
48. Dreischusterspitze 4095 3152 13,7 1393
49. Monte Disgrazia 4092 3678 15,0 1116
50. Aig. Verte 4066 4122 7,4 689
51. Monte Cristallo 4058 3221 10,6 1412
52. Pizzo di Coca 4057 3050 18,8 1875
53. Piz Linard 4055 3410 24,9 1027
54. Tofana di Mezzo 4020 3244 18,6 1369
55. l’Ailefroide Occidentale 4005 3954 4,1 762
56. Hohe Warte 3990 2780 33,7 1144
57. Pizzo Tambo 3981 3279 16,8 1164
58. Hintere Schwärze 3965 3624 12,8 809
59. Cima della Vezzana 3961 3192 16,0 1274
60. Monte Mangart 3958 2677 12,7 1066
61. Gr. Fiescherhorn 3951 4049 4,8 398
62. Hochtor 3927 2369 20,8 1520
63. Dents du Midi Haute Cime 3922 3257 19,0 1796
64. Monte Pelmo 3918 3168 7,5 1395
65. Hochalmspitze 3916 3360 45,6 946
66. Hoher Riffler 3913 3168 23,7 1326
67. Dammastock 3910 3630 21,7 1466
68. Watzmann-Mittelspitze 3908 2713 15,6 948
69. Langkofel 3892 3181 11,8 1124
70. Dent d’Hérens 3888 4171 3,7 698
71. Monte Baldo Cima Valdritta 3884 2218 22,1 1948
72. Hochgall 3873 3436 13,8 1148
73. Mont Pelvoux 3864 3943 3,3 465
74. Cima Tosa 3854 3173 16,4 1491
75. Schesaplana 3852 2964 30,3 809
76. Birkkarspitze 3850 2749 26,9 1564
77. Titlis 3839 3238 6,8 978
78. Olperer 3819 3476 10,3 1230
79. Blümlisalphorn 3817 3661 7,8 887
80. Oberalpstock 3817 3328 12,8 708
81. Birnhorn 3816 2634 15,5 1665
82. Skrlatica 3815 2740 5,9 982
83. Gr. Wiesbachhorn 3809 3564 9,8 484
84. Eiger 3805 3970 2,0 363
85. Liskamm 3798 4527 2,8 376
86. Haldensteiner Calanda 3792 2804 6,5 1446
87. Uia di Ciamarella 3781 3676 8,8 662
88. Aig. d’Arves Meridionale 3776 3514 12,7 1431
89. Großvenediger 3772 3667 26,0 1186
90. Hohe Gaisl 3768 3146 7,5 1092
91. M. Adamello 3759 3554 14,8 724
92. Doldenhorn 3747 3638 3,6 654
93. Säntis 3744 2502 25,8 2017
94. Täschhorn 3726 4491 1,1 210
95. Aig. de Scolette 3726 3506 14,2 1072
96. Aig. de la Grande Sassière 3725 3747 11,1 1197
97. Rimpfischhorn 3725 4199 4,6 642
98. Carè Alto 3721 3465 9,2 480
99. Cime du Gelas 3718 3143 8,4 669
100. Monte Emilius 3717 3559 12,8 739

Hier können die Definition und die Herleitung der Koeffizienten nachgelesen werden.

Kein Land stellt mehr der 100 mächtigsten Berge als Italien. Zu den 38 italienischen Bergen der Liste wurden Montblanc, Monte Rosa und Bernina nicht einmal mitgezählt, da die höchsten Punkte der Massive in Frankreich bzw. der Schweiz liegen. Auf Platz 2 unter den Ländern liegt die Schweiz mit 36 Bergen, gefolgt von Österreich (17), Frankreich (15), Slowenien (4) und Deutschland (2). (Grenzgipfel wurden beiden Ländern zugerechnet.)

Neben einigem Erwartbaren hält die Liste so manche Überraschung bereit: Aus den zentralen Ostalpen haben es eher wenige Berge in die Top 100 geschafft, nicht einmal die im Bereich der Ötztaler Alpen durchaus bedeutende Weißkugel, die mit 3698 Punkten knapp außerhalb auf Platz 103 landet. Zu gering ist in diesem Teil der Alpen das Relief der Landschaft ausgeprägt. Ganz anders die Dolomiten: Mit ihren steilen und oft sehr eigenständigen Bergstöcken stellen sie 11 der 100 mächtigsten Alpenberge.

Wiener Hausberge – Bergprominenz am Ostende der Alpen

Wer sich von Wien den Alpen nähert, muss bekanntlich eine längere Strecke zurücklegen, bis er die ersten Hochgebirgsmassive erreicht. Es sind hauptsächlich zwei große Berggestalten, die die Wege der Wiener in die Alpen begleiten: Findet die Annäherung entlang der Süd(auto)bahn statt, so ist der 2076 m hohe Schneeberg die dominierende Erscheinung. Führt die Route indes entlang der West(auto)bahn, so tritt nach Übertreten der Wasserscheide im Wienerwald bald der Ötscher (1893 m) in Erscheinung. Die Bedeutung dieser beiden Berge wird auch durch die Punktzahl unterstrichen, die sie im Zuge der hier zugrundeliegenden Relevanzmessung erhalten. Die höchste Spitze des Schneebergs, das Klosterwappen, erhält 3284 Punkte und damit mehr als alle anderen Erhebungen der Wiener Hausberge einschließlich der Hochschwabgruppe. Der Ötscher unterschreitet mit 2816 Punkten die 3000er-Grenze knapp. Entlang der oben beschriebenen Wege findet sich näher an Wien kein Berg, der die Marke von 2000 Punkten erreicht. Schneeberg und Ötscher tauchen somit am Ostrand der Alpen recht plötzlich und mächtig in Erscheinung.

20011218-SchneebergWien01 k

Der Schneeberg an einem klaren Wintertag zwischen Prater-Riesenrad und Stephansdom

20011218-Ötscher2 k

Der Ötscher dominiert das Alpenvorland um Stift Melk (links unten) – gesehen vom Jauerling

Im Einzelnen lassen sich in den Untergruppen der Wiener Hausberge die folgenden markanten Berggestalten identifizieren.

Erste 1000er: Der Wienerwald

Wie in anderen kleineren Mittelgebirgen auch erreichen die Höhen des Wienerwalds Punktzahlen von 1000 und mehr Punkten. Der höchste Gipfel des Wienerwalds, der 893 m hohe Schöpfl, ist zugleich auch der Sieger nach Punkten (1258 P.), gefolgt vom 1115 Punkte erreichenden Hermannskogel, mit 542 m Höhe eher ein Gipfel mittlerer Höhe, allerdings der höchste der Wienerwaldhöhen nördlich der West(auto)bahn. Der Hohe Lindkogel, mit 832 m der höchste Gipfel des südöstlichen Wienerwaldes, erreicht Platz 3 (1095 Punkte).

Berge des Wienerwalds

Nach Punkten gibt es im Wienerwald drei Eintausender

Noch keine 2000: Unterberg und co

Die munter gewellte wildromantische Gebirgslandschaft, die sich dem Wienerwald südwestlich anschließt, kann sich noch nicht so recht zwischen Mittel- und Hochgebirge entscheiden. Den gängigen Alpeneinteilungen folgend werden die Berge den Gutensteiner und Türnitzer Alpen zugerechnet. Die mächtigsten Erhebungen dieses Berglands erreichen – nach Punkten – mehr als 1500 Punkte von Wien aus gesehen erstmals im 1342 m hohen Unterberg (1736 Punkte). Auch die Reisalpe (1399 m, 1821 P.) und der Türnitzer Höger (1372 m, 1778 P.) fallen in diese Kategorie. Die beiden Wien am nächsten gelegenen Erhebungen über 1000 m – Hocheck und Kieneck – erreichen Punktzahlen um 1170.

Nimmt man den Weg entlang der Süd(auto)bahn, taucht am südlichen Horizont bei klarer Sicht schnell der Wechsel auf, eine der höchsten Gebirgszüge der sog. Randgebirge östlich der Mur. Der Hochwechsel selber kommt, obwohl mit 1744 m Höhe und über 10 km Isolation eine durchaus beherrschende Erhebung, nach Punkten nicht an die Zweitausendergrenze – eine Folge seines geringen Reliefs – 1887 Punkte.

Die Ybbstaler Alpen als Zweitausendergebiet

Neben dem Ötscher, der zentralen Landmarke des westlichen Niederösterreichs, befinden sich in den Voralpen zwischen Erlauf und Enns eine Reihe weiterer mächtiger Bergstöcke, die nach Punkten die Zweitausendermarke überschreiten. Diese Hauptgipfel der Ybbstaler Alpen eint, dass sie zwischen 1700 und gut 1900 m hoch sind, aufgrund der Geologie des Gebiets regelrechte Bergstöcke mit jeweils hoher Eigenständigkeit bilden und von eher stumpfer Gestalt sind – die Spitze der Stumpfmauer ausgenommen – ausgerechnet!

Berge der Ybbstaler Alpen
Die sieben Zweitausender der Ybbstaler Alpen – angeführt vom Ötscher

20011218-Ötscher1 k

Der Ötscher an einem sonnigen Spätherbsttag aus dem Mariazeller Land gesehen

Die dargestellten Berge erreichen relative Höhen von 1400 bis 1600 m, da sie allesamt in den Niederungen von Enns, Ybbs und Erlauf fußen (30-km-Radius). Eine Ausnahme bildet der nach Süden ins Salzatal vorgeschobene Stock des Hochtürnach (1770 m). Er ist auch der der einzige der Ybbstaler Zweitausender mit einer Schartendifferenz (Prominenz) von weniger als 600 m. Dass er trotzdem in der Liga der Zweitausender mitspielt, verdankt er seiner erheblichen Reliefenergie. Er fällt im Radius seiner relativen Höhe (1315 m) immerhin 1075 m tief ab.

Zwei Dreitausender: Voralpen zwischen Schneeberg und Seeberg

Die Kalkstöcke der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen sind bekannt für ihre zurückhaltend hochalpine Erscheinung. Von unten betrachtet beeindrucken sie mit jähen Felsabbrüchen, mit denen sie sich über lieblichen Talschaften erheben. Richtige Gipfel indes fehlen ihnen, da sich oberhalb der Felsen sanfte Wiesenhochflächen befinden, die den Bergstöcken jeweils den Namen „Alpe“ geben: Raxalpe, Schneealpe, Veitschalpe. In dieser Situation können nur wenige Erhebungen wirklich punkten; es sind dies die höchsten Punkte der jeweiligen Bergstöcke. Ihnen kommt die relativ große Eigenständigkeit der Bergstöcke zugute. Und je näher ein solcher höchster Punkt am Rand der Hochfläche liegt, desto mehr profitiert er von der Relieftiefe des entsprechenden Abbruchs. An erster Stelle ist hier die Heukuppe in der Rax zu nennen (3030 Punkte). Wo der höchste Punkt eher mittig in der Hochfläche liegt, desto schlechter seine Chancen auf viele Punkte. Das Schicksal trifft die Schneealpe, deren höchster Punkt, der Windberg, mit 2293 Punkten immerhin deutlich die Zweitausend übersteigt.

Schneeberg k

Schneeberg (links), Rax (Mitte) und Schneealpe (rechts) – gesehen vom Unterberg

Neben den Hochflächen von Rax, Schneealpe und Veitsch gibt es als Phalanx im Norden wie im Süden drei nennenswert erhabene Berge, die die Marke von 2000 Punkten erreichen: Gippel und Göller im Norden und das Stuhleck als höchste Erhebung des steirischen Randgebirges im Süden.

20011218-Gippel k

Die schroffe Nordseite des Gippel

Berge der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen
Alle Berge über 2200 Punkte zwischen Schneeberg und Seebergsattel

Übrig bleibt der eingangs erwähnte Schneeberg, der mit 3284 Punkten in fast allen Belangen dem Rest des östlichen Alpenrandes überlegen ist: Mit 49,1 km Isolation, einer Schartendifferenz von 1344 m und 1800 m relativer Höhe braucht er dann nur ein mittelmäßiges Relief, um eine hohe Punktzahl zu erreichen.

20011218-SchneebergPuchberg01 k

Der Kaiserstein als derjenige Gipfel des Schneebergs, der sich unmittelbar über den steilen Nordostabstürzen befindet, erreicht immerhin noch 2041 Punkte, obwohl nur durch eine 26 m tiefe Einsattelung vom 15 m höheren Klosterwappen getrennt.

Wiener Hausberge alpin: Hochschwab und Gesäuse

Richtig hochalpine Formen findet der Wiener erst jenseits des Seebergsattels in den Gebieten von Hochschwab und Gesäuse, die man beide den Ennstaler Alpen zurechnen kann (was die meisten nur für das Gesäuse gewohnt sind). Die Berghöhen erreichen 2200 bis 2369 m. Während im Hochschwabstock nur der namengebende Berg selbst die Marke von 3000 Punkten überschreitet, lassen sich im Gesäuse gleich fünf Berge dieser Größenordnung identifizieren – der enormen Schroffheit des Geländes geschuldet. Diese Berge mit einer relativen Höhe von gut 1800 m Höhe fallen im Radius dieser relativen Höhe 1350 bis 1550 m tief ab. Hochtor und Großer Buchstein weisen zudem mit 1520 bzw. 1363 m gewaltige Eigenständigkeitswerte auf. Zieht man noch die über 20 km Isolation des Hochtors in Betracht, so verwundert es nicht, dass der höchste der Gesäuseberge einen herausragenden Punktwert von 3927 Punkten erhält und damit Platz 62 in der Rangliste der mächstigsten Alpenberge erreicht. Mehr ist in den Wiener Hausbergen nicht drin.

20011220-GesäuseSüdseite01 k

Gesäuseberge von Süden: hohe Eigenständigkeiten und kräftiges Relief. V.l.n.r.: Sparafeld, Reichenstein, Hochtorstock, Zinödl, Lugauer

20011220-Hochtor k

Das Hochtor (Bildmitte) ist mit 3927 Punkten der mächtigste Berg der Wiener Hausberge.

Berge Ennstaler Alpen und Hochschwab

Ausgewählte Berge in Gesäuse und Hochschwab. Zweite Siegerin im Hochschwabstock übrigens: die Riegerin mit 2678 Punkten. Sie stellt das Pendant zum Ybbstaler Hochtürnach als Wächter des Salzatals dar: 1229 m Relieftiefe im Radius von 1509 m relativer Tiefe, 459 m Schartendifferenz und 3,6 km bis zum nächsten höheren Punkt.

20020120-HochschwabNordwand k

Hochschwab: 2277 m und 3325 Punkte

(Alle Bilder dieses Beitrags sind in den Jahren 1997 und 1998 als Dias entstanden und daher nur von mäßiger Qualität)

Rangliste ausgewählter Berge aus aller Welt

Mit der auf dieser Seite entworfenen Punktwertung lassen sich die Berge der Welt in eine Rangliste bringen. Eine Top 10 oder Top 100 kann erst angegeben werden, wenn hier alle potentiell infrage kommenden Berge in der erforderlichen Weise vermessen wären. Für die Alpen liegt eine solche Top-100-Liste bereits vor, ebenso für Deutschland, Irland, Vorarlberg oder die östlichen Ostalpen. Hier präsentiere ich eine Auswahl bereits vermessener Berge aus aller Welt.

Berg Punktzahl Gebirge Höhe (m)
Mount Everest 8881 Himalaya 8848
Nanga Parbat 8279 Himalaya 8125
Denali 8146 Rocky Mountains 6168
Aconcagua 7919 Anden 6962
Kangchendzönga 7477 Himalaya 8586
K2 7438 Himalaya 8611
Annapurna II 7225 Himalaya 7937
Kilimandscharo 7071 Afrika 5895
Montblanc 6913 Montblancgruppe 4810
Carstensz-Pyramide 6483 Indonesien 4884
Aoraki / Mount Cook 6265 Neuseeland 3724
Pico del Teide 5658 Teneriffa 3718
Ätna 4848 Sizilien 3323
Lhotse 4718 Himalaya 8511
Olymp 4640 Griechenland 2918
Licancabur 4387 Anden 5920
Shivling 4174 Himalaya 6543
Kailas / Gang Rinpoche 4114 Transhimalaya 6638
Ama Dablam 4099 Himalaya 6814
Gerlsdorfer Spitze 4034 Hohe Tatra 2654
Moldoveanu 3867 Südkarpaten 2544
Gebel Katerina 3797 Sinai 2637
Galdhoppigen 3757 Norwegen 2469
Pietrosul 3703 Rodna-Gebirge 2303
Kebnekaise 3399 Schweden 2104
Higravstinden 3282 Lofoten 1146
Ben Nevis 3223 Schottische Highlands 1344
Schneekoppe 3006 Riesengebirge 1603
Carrauntoohil 2938 Irland 1040
Monte Maggiorasca 2853 Appenin 1804
Sgurr Alasdair 2668 Isle of Skye 993
Gran Ballon 2649 Vogesen 1424
Monte Capanne 2593 Elba 1017
Scafell Pike 2504 Cumbrian Mountains 978
Ball’s Pyramid 2438 Tasmanische See 562
Milleschauer 1952 Böhmisches Mittelgebirge 837
Biod an Athair 1166 Isle of Skye 313
Ménez Hom 1046 Bretagne 330
Botrange 796 Hohes Venn 694
Wilseder Berg 675 Lüneburger Heide 169

Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass die hier betrachteten Berge eine teilweise von ihrer Höhenzahl weit abweichende Punktzahl aufweisen. Berge, deren Fuß bereits in sehr hochgelegenen Regionen liegt (Kailas / Transhimalaya oder Licancabur / Anden) erfahren entsprechende Abwertungen gegenüber ihrer Höhenzahl. Steile Berge in Meeresnähe können durchaus hohe Punktzahlen erreichen. Extrem ist dabei die verrückte Insel Ball’s Pyramid 600 km vor der Australischen Ostküste. Obwohl nur 564 m hoch bringt es diese Spitze auf satte 2438 Punkte.

Die Siebengebirgs-Rangliste

Wendet man das auf „Bergwertung“ entwickelte Modell von Relevanz auf die Berge meiner Bonner Heimat an, so erhält man diese Rangliste:

Oelberg, Löwenburg, Lohrberg, Drachenfels, Wolkenburg, Petersberg, Nonnenstromberg.

Der Gr. Oelberg ist führend (1014 P.), weil er der höchste ist, über einen hohen Isolationswert und zudem über einigermaßen Relief verfügt. Die Löwenburg erreicht erwartungsgemäß Platz 2, weil sie fast so hoch ist wie der Oelberg und von Ferne gesehen zusammen mit dem Oelberg eine markante Doppelspitze des Miniaturgebirges darstellt (930 P.). Obwohl fast so hoch wie Oelberg und Löwenburg erreicht der Lohrberg nur gut 800 Punkte – sein Relief ist weniger ausgeprägt. Er wird gefolgt vom Drachenfels, der von den niedrigeren Gipfeln (unter 400 m) der deutlich markanteste ist (700 P.). Er fällt besonders steil zum Rhein hin ab und erreicht damit einen überdurchschnittlichen Reliefkoeffizienten. Mit deutlichem Abstand folgen in der Rangliste die nach Metern höheren Gipfel Wolkenburg, Petersberg und Nonnenstromberg. Von diesen ist die Wolkenburg aufgrund ihrer felsig-steilen Südseite die mit der höchsten Punktzahl (629 P.). Der Petersberg erreicht aufgrund seiner vorgeschobenen Lage (und damit höheren relativen Höhe in der Nah-Umgebung) 599 Punkte und ist somit gegenüber dem  Nonnenstromberg als relevanter anzusehen (541 P.).

Berge Siebengebirge
Punkteverteilung der Siebengebirgsgipfel nach Gipfelhöhe sortiert. Es fällt auf, dass der Drachenfels von den niedrigeren Gipfeln die positivste Abweichung nach Punkten verzeichnen kann – ein Ergebnis seiner Steilheit.

Spaßeshalber habe ich auch noch die Punktwerte der unmittelbar über Bonn-Oberkassel sich erhebenden Höhen errechnet. Diese Höhen sind eigentlich nur Ränder einer Hochfläche und haben damit kaum eine spürbare Schartendifferenz (5 bzw. 8 m). Weil der Kuckstein recht steil und felsig ins Rheintal abfällt, erhält er immerhin noch 215 Punkte, während es der Paffelsberg nur auf 171 Punkte bringt. Er fällt im Umkreis seiner relativen Höhe gerade mal 15 Meter ab.

Berge des Siebengebirges
Von links nach rechts: Petersberg, Nonnenstromberg, Drachenfels, Ölberg, Lohrberg, Löwenburg

Koeffizienten und Herleitung

In einem Beitrag zu den theoretischen Grundannahmen habe ich dargestellt, welche Merkmale eines Berges in die Messung seiner geografischen Bedeutung („Bergwertung“) einfließen. Hier geht es nun darum, wie sich aus diesen Grundannahmen eine leistungsfähige Berechnungsformel herleiten lässt.
Leistungsfähig ist diese Formel, wenn sie zu sachgerechten Rangreihen von Bergen führt. Was im Einzelfall als sachgerecht gelten kann, wäre kommunikativ zu validieren. Bis jetzt ist die Eignung der Formel an einem Sample von über 1100 Bergen überprüft und in einem sehr engen Kreis von Experten kommunikativ validiert. Leser dieser Seite sind eingeladen mitzuteilen, ob die vorgestellten Rangreihen mit ihrer Wahrnehmung korrespondieren, die sie von der Mächtigkeit der analysierten Berge haben.
Bis dahin erkläre ich, warum welches Merkmal in welcher Weise Eingang in die Formel findet:

1. Der Höhenkoeffizient

Unter „relativer Höhe“ soll die Differenz zwischen der Höhe des Berges und dem tiefsten Punkt im Radius von 30 km verstanden werden.
Dazu wird als TP30 die tiefste Stelle im 30km-Radius des Berges bestimmt. Um aus dem Wert der relativen Höhe in Metern einen Koeffizienten zu machen, muss überlegt werden, wie er in einen Zahlenbereich transformiert werden kann, der seinen Einfluss aus das Gesamtergebnis kontrolliert. Hierzu definiere ich als Norm eine relative Höhe von 2000 m, zu denen die relative Höhe in Beziehung gesetzt ist. Der Höhenkoeffizient soll den Wert 1 annehmen für Berge, die sich genau 2000 m hoch im Radius von 30 km erheben, z.B. das Hohe Licht in den Allgäuer Alpen. Die bisher höchste von mir nachgemessene relative Höhe hat mit 7316 m der 8586 m hohe Kangchendzönga im Himalaya.

Mit der Definition hx = [(H – TP30)/2000]2

… fließt die relative Höhe mit doppeltem Gewicht in die Relevanzmessung ein. Damit streuen die Werte bewusst sehr stark – zwischen 13,4 und Werten knapp über 0. Wenn man möchte, dass sich unter den Top 10 der relevantesten Berge mehrere 8000er befinden, muss dies so angelegt sein.

2. Der Prominenzkoeffizient

„Prominenz“, auch „Schartentiefe“ oder „Schartendifferenz“ genannt, meint den Höhenunterschied, den ich mindestens von einem Berg heruntergehen muss, um auf einen höheren Berg als den zu gelangen, dessen Prominenz bestimmt wird.

Der Prominenzkoeffizient ist hier definiert als: px = [(H – S)/1000]0,5

Für den Prominenzkoeffizienten habe ich einen Wert von 1000 m als Referenz definiert. Demnach setzt die Definition des Koeffizienten die Prominenz eines Berges ins Verhältnis zur Zahl 1000. Berge mit dem Prominenzkoeffizienten 1 sind zum Beispiel der Monte Capanne, höchster Berg Elbas, der Großvenediger, das Matterhorn oder auch die höchste Erhebung der Rax in den Wiener Hausbergen. Der Koeffizient ist als Quadratwurzel so definiert, dass die Werte nicht allzusehr streuen, denn würde die Prominenz linear in die Gesamtwertung einfließen, entstünde eine der Intuition widersprechende überproportionale Gewichtung der Eigenständigkeit. Zweite und dritte Hauptberge einer Hauptkette würden gegenüber Bergen, die Hauptgipfel einer an sich untergeordneten, aber isolierten Gebirgsgruppe sind, zu schwach bewertet. Außerdem wird so möglich, dass Gipfel, die als Nebengipfeln von Hauptbergen oft vom Tal aus als bedeutend und gewaltig erscheinen, nicht überproportional benachteiligt werden. Die Werte streuen so zwischen 0,1 (bei einer Prominenz von 10 m) und knapp 3 (bei der maximalen Prominenz von 8848 m beim Mount Everest).

3. Der Isolationskoeffizient

Die „Isolation“ eines Berges meint seine Alleinherrschaft in einem bestimmten Umkreis. Begrenzt wird dieser Umkreis durch den nächstgelegenen höheren Punkt.
Die Isolation wird in Kilometern gemessen und kann eine riesige Spannbreite von Werten annehmen – von weit unter einem Kilometer bis hin zu mehreren 10.000 km bei den höchsten Bergen der Kontinente. Es macht indes für die Wahrnehmung eines Berges keinen nennenswerten Unterschied, ob ein Berg im Umkreis von 100 oder 10.000 km der höchste ist. So ist die Isolation eher ein theoretisch bedeutsames Maß. Vor diesem Hintergrund ist der Isolations- oder Dominanzkoeffizient hier äußerst vorsichtig definiert.

Als Isolationskoeffizient ist definiert: ix = (I/30)0,1

Als Referenzwert wird ein Radius von 30 km bestimmt, zu dem die Isolation ins Verhältnis gesetzt ist. I/30 ist >1 für Isolationswerte über 30 km und <1 für geringere Radien. Die Wahl der 30 km als Normradius erfolgt analog zur Definition der relativen Höhe. Die Alleinherrschaft in einem Gebiet von 30 km ist auch anschaulich gut als "groß" plausibel zu machen. Um den Einfluss des Koeffizienten auf das Gesamtresultat für kleine und sehr große Werte gut kontrollieren zu können, wurde I/30 einer Wurzelfunktion unterlegt, die der 10. Wurzel entspricht. Die Werte des Isolationskoeffizienten streuen so zwischen Werten von ungefähr 0,5 (für Gipfel mit 100 m Isolation) und knapp 1,9 für den Aconcagua – den Berg mit der höchsten messbaren Isolation auf der Erde – 16.536 km. Für den Mount Everest, für den keine Isolation angegeben werden kann (es keinen höheren Punkt auf der Erde), setze ich den Isolationskoeffizient auf 2.

Die hier zugrundegelegte äußerst geringe Gewichtung der Isolation hat zum einen ihren Sinn in der oben beschriebenen Unfähigkeit des Menschen, große Isolation visuell zu erfassen, und beruht zum anderen auf der Tatsache, dass es äußerst markante Gipfel mit extrem niedriger Isolation gibt, zum Beispiel diverse Felszacken in den Dolomiten oder der Montblanc-Gruppe. Gerade Berge, die nur wenige Meter niedriger sind als die höchsten Gipfel eines Gebirges können durch eine schwache Einflussnahme durch die Isolation adäquat im Relevanzwert abgebildet werden. Ein Beispiel hierfür sind die drei nahezu gleich hohen Gipfel der Tofana bei Cortina d'Ampezzo.

4. Der Reliefkoeffizient

Dieser Koeffizient sorgt dafür, dass die Steilheit eines Berges hinreichend Berücksichtigung findet in der Gesamtbewertung eines Berges. Konkret wird gemessen, wie tief der Berg maximal abfällt im Radius der relativen Höhe des Berges. Diese „maximale Tiefe“ im Nahumfeld wird ins Verhältnis gesetzt zur relativen Höhe des Berges als maximal möglicher Tiefe im Umfeld. So entsteht die Situation, dass besonders steile Berge Werte nahe oder gleich 1 annehmen.

Als Reliefkoeffizient wird definiert: rx = [(H – TPn)/(H – TP30)]1,5

Der Reliefkoeffizient ist minimal potenziert definiert (hoch 1,5), um besonders flache Berge etwas stärker abzuwerten. Ein besonders positiver Effekt ergibt sich für sehr niedrige, aber sehr schroffe Gipfel. Beispiele sind hier Klippengipfel unmittelbar über dem Meer oder Berge wie der Drachenfels oder die Loreley am Rhein, denen es so möglich wird, für ihre geringe Höhe verhältnismäßig hohe Relevanzwerte zu bekommen. Die Werte streuen zwischen 0,01 für sehr flache Mittelgebirgshöhen und 1 für Erhebungen mit einer durchschnittlichen Steilheit > 45 Grad im Radius der relativen Höhe.

5. Die Gipfelflurkoeffizienten

Für die Erscheinung eines Berges ist wesentlich, in welchem Verhältnis seine Höhe zu den regional sonst erreichten Gipfelhöhen steht. Die beiden Gipfelflurkoeffizienten messen, ob und wie stark der Berg durch andere überragt wird.

Als 1. Gipfelflurkoeffizient ist definiert: g1x = [(H – TP30)/(HPn – TP30)]3

Dieser Koeffizient bildet ab, inwiefern ein Berg durch einen in unmittelbarer Nähe befindlichen Berg überragt wird. Hierzu wird die relative Höhe des Berges ins Verhältnis gesetzt zu der im Nahradius vorkommenden relativen Höhe anderer Berge. Als Nahradius wird die bereits bekannte bergabhängige relative Höhe gewählt, innerhalb derer als HPn der höchste Punkt identifizert wird. Dessen Höhendifferenz zu dem bereits an anderer Stelle verwendeten TP30 ist der Nenner dieses Koeffizienten. Das Verhältnis ist 1, wenn der Berg der jeweils höchste im Nahradius ist.

Als 2. Gipfelflurkoeffizient ist definiert: g2x = [(H – TP30)/(HP30 – TP30)]3

Dieser Koeffizient bildet ab, inwiefern ein Berg durch einen im 30-km-Radius befindlichen Berg überragt wird. Während g1x ähnlich wie der Reliefkoeffizient die unmittelbare Nähe des Berges einbezieht, richtet g2x den Blick – wie bei der relativen Höhe praktiziert – auf das 30-km-Umfeld. Der Quotient ist 1, wenn der Berg der jeweils höchste im Umfeld ist. Beide Gipfelflurkoeffizienten werden in dritter Potenz in die Relevanzmessung einbezogen. Das wirkt sich so aus, dass Gipfel besonders benachteiligt werden, die deutlich überragt werden. Ein recht bekanntes Beispiel für den Nutzen des Gipfelflurkoeffizienten g1x ist der Gipfel Hirli in unmittelbarer Nachbarschaft des Matterhorns. Mit einer recht vernünftigen relativen Höhe und einem guten Reliefkoeffizienten kommt der Berg an sich nicht schlecht weg. Dass er aber in unmittelbarer Nähe durch das Matterhorn um knapp 1600 m überragt wird, hätte sich ohne Gipfelflurberücksichtigung nicht abwertend bemerkbar gemacht. Ähnlich verhält es sich in Bezug auf den 30-km-Gipfelflurkoeffizienten g2x mit Bergen, die Inselberge inmitten von Talschaften sind, die sich zwischen hohen Gebirgsgruppen befinden. Solche Berge können relativ hohe Dominanz- und Prominenzwerte erhalten. Erst durch den Vergleich mit der regionalen Gipfelflur ergeben sich hier vernünftige Relationen.

6. Relevanzwert und Punkteanzahl

Als Relevanzwert R eines Berges x ist definiert: Rx = hx * rx * px * ix * g1x * g2x

Nach dieser einfachen Multiplikation aller Koeffizienten ergibt sich ein Produkt, dessen Werte zwischen 10-8 für kleinste Mittelgebirgs- und Tieflanderhebungen und gut 22 für den Mount Everest streuen. Um die extrem streuenden Werte in eine anschauliche Punktwertung zu überführen, ist eine geeignete Umrechnungsfunktion nötig. Seit einer Revision am 3.3.2018 verwende ich hierfür das Produkt einer e-Funktion mit einer Hyperbel. Deren Koeffizienten sind so gewählt, dass bestimmte Zielwerte erreicht werden, die im Blick auf die Anschauung gewählt wurden.

  • Wie bei den Höhenzahlen sollen die Punktzahlen maximal im Bereich von 8000 bis 9000 Punkten liegen.
  • Zugleich soll der mächtigste Berg etwa die 10-fache Punktzahl erhalten wie ein durchschnittlicher Mittelgebirgsberg.
  • Mächtige Berge sollen nach Punkten gegenüber ihrer Höhenzahl nach oben deutlich abweichen können.
  • Der Mittelwert der Punktzahlen soll niedriger sein als der Mittelwert der (absoluten) Höhenzahlen.
  • Für Erhebungen, die sich nur wenige Meter über ihrer Umgebung erheben, soll die Punktzahl in der Größenordnung dieses Höhenunterschieds liegen.

Als Funktion, die diese Umrechnung in überzeugendster Weise löst, hat sich diese hier erwiesen:

f(x) = (-640/(640+g(x))+1)*g(x)

mit g(x) = 2780*(exp(x^0.127)-1).

Als Punkteanzahl P sei somit definiert: Px = f(Rx).