Top 100 der Alpenberge – die Karte

Die 100 größten Berge der Alpen – welche es sind und wo sie liegen zeigt diese Google-Map. Zugrunde liegt die Metrik der Bergwertung, d.h. es fließen mehrere Merkmale eines Berges ein, die ihn groß und mächtig erscheinen lassen. Die Top 10 haben ein rotes Berg-Symbol, die übrigen werden entsprechend ihrer Punktzahl mit einem türkisen (> 4000 Punkte) oder einem grünen Berg-Symbol (< 4000 Punkte) auf der Karte lokalisiert. Das sind je 45 Berge. Die Rangliste der Top 100 findet sich in einem früheren Beitrag hier.

Mountain Prominence in the Rhineland

Around Bonn there are 70 peaks with 100 or more meters of mountain prominence. I identified them within a 80-km-radius around the place where I live. I checked detailed topographic maps and marked all suitable peaks in a map, together with their individual key saddle (= „prominenzrelevante Scharte“) and connecting watersheds. Red labels mark elevations of more than 150 meters of prominence, green labels the smaller ones.

Look here:

These are the top 10 prominence peaks in the here described area of the Rhineland: 

# Peak Elevation (m) Prominence (m) District
1 Hohe Acht 747 m 528 m AW / MYK
2 Nordhelle 663 m 265 m MK
3 Alarmstange 545 m 246 m WW
4 Kinheimer Berg 421 m 229 m WIL
5 Fuchskaute 657 m 227 m WW
6 Schwarzer Mann 697 m 215 m BIT
7 Gr. Oelberg 460 m 205 m SU
8 Asberg 441 m 199 m NR
9 Hoher Wald 656 m 195 m SI / OE
10 Hochkessel 420 m 168 m COC

Computation of the mountain score of all these Rhineland peaks is work still to be done.

Die größten Berge am Ostende der Alpen (Top 30)

Die Bergwelt am nordöstlichen Ende der Alpen ist von vielen relativ isoliert stehenden Bergstöcken aus Kalkstein geprägt, die nicht die ganz großen Höhen erreichen und teilweise nur voralpinen Charakter aufweisen. Dennoch gibt es in den Wiener Hausbergen eine Reihe von Bergen, die hohe Punktzahlen nach dem System der Bergwertung erhalten. Welche das sind, zeigt die folgende Rangliste der Top 30. Für die Liste habe ich das „Untersuchungsgebiet“ gegenüber den Wiener Hausbergen im engeren Sinne ein wenig ausgeweitet und betrachte die Bergregion zwischen Wien und der verkehrstechnisch bedeutsamen Linie der A9, Pyhrn-Autobahn. Geografisch ist also das Bergland gemeint, das sich östlich der Linie Steyr – Pyhrnpass – Liezen – Schoberpass – Bruck an der Mur – Graz bis nach St. Pölten, Wien und Wiener Neustadt hin erstreckt. In dieser Region gibt es 30 Berge mit mehr als 2500 Bergpunkten, davon 10 „Dreitausender“. Der führende Berg der Rangliste ist zugleich Platz 62 der Alpen-Top-100, das Hochtor im Gesäuse.

Rang

Berg

Punktzahl

Höhe (m)

Isolation(km)

Prominenz (m)

1.

Hochtor

3927

2369

20,8

1520

2.

Gr. Buchstein

3347

2224

5,9

1363

3. Schneeberg Klosterwappen 3284 2076 49,1 1344
4. Gr. Pyhrgas 3263 2244 11,7 1290
5. Gößeck 3262 2214 15,9 832
6. Admonter Reichenstein 3247 2251 5,2 812
7. Hochschwab 3225 2277 38,8 1051
8. Lugauer 3115 2218 6,3 663
9. Hochzinödl 3034 2191 2,2 496
10. Rax Heukuppe 3030 2007 12,1 992
11. Hochkogel (Kaiserschild) 2936 2105 6,9 800
12. Eisenerzer Reichenstein 2925 2165 6,5 660
13. Gr. Ödstein 2888 2335 1,7 185
14. Kaltmauer 2830 1929 6,9 399
15. Sparafeld 2828 2248 0,9 358
16. Ötscher 2816 1893 21,8 821
17. Hexenturm 2774 2172 4,3 358
18. Tamischbachturm 2754 2035 5,2 585
19. Hochlantsch 2753 1721 26,3 639
20. Hoher Nock 2723 1963 14,1 999
21. Hochstadl 2714 1919 4,5 1072
22. Scheiblingstein 2698 2197 1,9 323
23. Riegerin 2678 1939 3,6 459
24. Bosruck 2659 1992 4,6 684
25. Dürrenstein 2647 1878 11,2 809
26. Trenchtling Hochturm 2589 2081 8,1 506
27. Hohe Veitsch 2583 1981 12,7 728
28. Zeiritzkampel 2546 2125 6,6 564
29. Gamsstein Hochkogel 2538 1774 9,4 1094
30. Ebenstein 2517 2123 5,8 348

Viele dürften die östlichsten Alpenberge hinsichtlich ihrer Größe und Schroffheit unterschätzen. Vergleicht man die hier betrachtete Region z.B. mit den deutschen Alpenbergen, so trifft man dort nur 25 Berge mit mehr als 2500 Punkten an, während es hier 30 sind.

Besonders stark vertreten sind in den Top 30 die Ennstaler Alpen mit den schroffen Gipfeln im Gesäuse und den Haller Mauern (insgesamt 13 Gipfel). Es folgen die Gebirgsgruppen Hochschwab (5 Berge), Eisenerzer und Ybbstaler Alpen (je 4 Berge), Mürzsteger Alpen (2 Berge) und Gutensteiner Alpen (nur der Schneeberg). Von den höchsten Erhebungen des Steirischen Randgebirges (Stuhleck, Hochwechsel, …) hat es nur der Grazer Hausberg Hochlantsch in die Top 30 geschafft – seiner schroffen Nordseite geschuldet.

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Hochtor und Gr. Ödstein im Gesäuse

Beidseits des Inn: Berge zwischen Innsbruck und Jenbach

Welche sind die mächtigsten Berge rund um das Städtchen Hall in Tirol? Wie schneiden die Berge der Tuxer Alpen und des Karwendels in den dafür einschlägigen Merkmalen Höhe, Prominenz und Isolation/Dominanz ab? Sollten weitere Merkmale berücksichtigt werden? Welche Rolle spielen in den vorgestellten Ranglisten die beiden Berge, die den Titel des Mitteilungsblättchens der Sektion bilden: Glungezer & Geier? Diesen Fragen gehe ich als Mitglied der ÖAV-Sektion Hall nach.

Meine Mitgliedschaft in der Alpenvereinssektion Hall in Tirol verdanke ich einer spontanen Laune an einem langen und regnerischen Hüttenabend auf der Glungezer-Hütte, gut 2000 Meter oberhalb des Städtchens Hall im Inntal. Endlich besser versichert durch die Berge kraxeln, den einen oder anderen Vorzug auf den Hütten genießen und schließlich auch die Infrastruktur für Hütten und Wege unterstützen, das sollte doch eine Jahresgebühr wert sein. Mein Entschluss zum Vereinsbeitritt traf auf die freundliche Aufnahmebereitschaft des Hüttenwirts Gottfried Wieser. Seither bin ich als Bonner „Piefke“ zahlendes Mitglied des ÖAV. Die Gegend liegt mir seit vielen Jahren am Herzen, und mit diesem Beitrag würdige ich die Bergwelt der Sektion mit einer kleinen Vorstellung ihrer morphologischen Höhepunkte.

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Jener Tag, an dem ich mich für die ÖAV-Sektion Hall entschied …

Die Gebirgsgruppen beidseits der tief eingeschnittenen Inntalfurche zwischen Innsbruck und Jenbach könnten gegensätzlicher nicht sein: auf der einen Seite die steil aufragenden und zerklüfteten Karwendelspitzen – der Sonne zugewandt, auf der Schattenseite die sanfteren Erhebungen der Zentralalpen, die hier den wenig vorteilhaften Namen „Tuxer Voralpen“ tragen, obwohl sie durchweg Höhen von 2600 m übersteigen. Das Gebiet ist ein wunderbares Experimentierfeld für die Eignung von geografischen Kennzahlen, mit denen Berge klassifiziert werden können. Hierzu stelle ich jeweils die Top 10 der höchsten, isoliertesten und prominentesten Berge vor. Dabei zeigt sich: Um die wahren Unterschiede ans Licht zu heben, bedarf es einer komplexeren Modellierung, wie sie zum Beispiel mit der Bergwertung vorliegt.

KarteDas Untersuchungsgebiet des Beitrags sind die zum Inntal entwässernden Gebiete zwischen Innsbruck und Jenbach, also das Karwendel vom Solstein im Westen bis zum Stanser Joch im Osten sowie die Tuxer Voralpen vom Patscherkofel zur Kellerjochgruppe. Es umfasst alle Seitenkämme und wird begrenzt durch die Wasserscheiden zum Karwendeltal, zum Achensee, zum Zillertal und zum Wipptal. Kartengrundlage: Google Maps

Beginnen wir mit den Top 10 der jeweils höchsten Berge:

Karwendel  m Tuxer Voralpen  m
Großer Bettelwurf 2726 Lizumer Reckner 2886
Großer Lafatscher 2696 Geier 2857
Roßkopf 2670 Lizumer Sonnenspitze 2831
Hintere Bachofenspitze 2668 Kalkwand 2826
Grubenkarspitze 2663 Rosenjoch 2796
Vordere Bachofenspitze 2663 Grünbergspitze 2790
Kleiner Bettelwurf 2650 Torwand 2768
Kleiner Solstein 2637 Rastkogel 2762
Kleiner Lafatscher 2636 Tarntaler Köpfe 2757
Brantlspitze 2626 Malgrübler 2749

Hier liegen die Tuxer klar vorne. Alle zehn höchsten Gipfel sind höher als der höchste Karwendelberg der Region, der Bettelwurf. Aber sind sie auch gemessen an anderen Indikatoren die bedeutenderen Berge?
Unter „Isolation“ (oder auch „Dominanz“) verstehen Geografen die Entfernung zum nächst höheren Punkt. Je weiter Berge von anderen weg stehen, umso isolierter und bedeutender erscheinen sie. Der Dominanzcheck ergibt ein überwiegend ausgewogenes Bild:

Karwendel  km Tuxer Voralpen  km
Großer Bettelwurf 8,3 Rastkogel 8,3
Kleiner Solstein 8,0 Lizumer Reckner 8,0
Großer Lafatscher 4,9 Rosenjoch 7,2
Hochnissl 3,6 Hirzer 5,9
Grubenkarspitze 3,4 Gilfert 5,4
Eiskarlspitze 2,8 Kellerjoch 5,3
Rappenspitze 2,3 Malgrübler 4,0
Kemacher 2,1 Patscherkofel 2,8
Brantlspitze 2,0 Kalkwand 2,3
Rauer Knöll 1,9 Torspitze 2,0

In beiden Gebirgszügen liegen die Werte bei den Top 10 der isoliertesten Berge zwischen gut acht und etwa zwei Kilometern. Wir finden in den Tabellen ganz andere Bergnamen als in der Liste der höchsten Berge – zum Beispiel den Patscherkofel als Hausberg von Innsbruck oder die Rappenspitze im östlichsten Karwendelzipfel zum Achensee hin. In den Tuxer Bergen gibt es immerhin sieben Berge mit vier oder mehr Kilometern Dominanz. In den Karwendelbergen der Region sind es nur drei. Hier spiegelt sich die relative Weitläufigkeit der Tuxer Voralpen.

Ein weiterer Zugang zur geografischen Bedeutung von Bergen kann über die sogenannte Schartentiefe erfolgen. Das meint den Höhenunterschied, den ich von einem Berg mindestens hinuntergehen muss, um auf einen höheren Punkt zu gelangen. Man gibt die Schartentiefe als Maßzahl der Prominenz oder Eigenständigkeit von Bergen an. Unterscheiden sich die Berge links und rechts des Inn in Sachen Eigenständigkeit?

Karwendel  m Tuxer Voralpen  m
Großer Bettelwurf 814 Kellerjoch 669
Großer Lafatscher 615 Lizumer Reckner 548
Kleiner Solstein 516 Rastkogel 470
Hochnissl 367 Rosenjoch 466
Rauer Knöll 325 Hirzer 433
Rappenspitze 313 Kalkwand 342
Rumer Spitze 296 Torspitze 277
Eiskarlspitze 280 Malgrübler 270
Kemacher 280 Gilfert 256
Brantlspitze 276 Patscherkofel 211

Das Niveau der Prominenzwerte ist im Karwendel erkennbar höher als in den Tuxer Bergen. So finden wir hier drei Gipfel mit mehr als 500 Metern Prominenz. Mit über 800 Metern Schartentiefe nimmt der Bettelwurf hier wiederum die Spitzenposition ein, wie schon bei Höhe und Isolation. In den Tuxer Alpen führt ein Berg die Prominenztabelle an, der weit weg der höchsten Gipfel eine bedeutende, weil weit vorgelagerte Erscheinung darstellt, das Kellerjoch bei Schwaz. Nur ein weiterer Berg verfügt über mehr als 500 Meter Prominenz. Bei Platz 10 werden noch 211 Meter Eigenständigkeit erreicht, während im Karwendel Platz 10 immerhin noch über 276 Meter Schartentiefe verfügt. Kurzum: Die Karwendelberge der Region sind etwas selbstständiger als ihr Tuxer Gegenüber, obwohl das Kalkgebirge als Kettengebirge eigentlich wenig Potenzial für eigenständige Berge hat.

Den eigentlichen morphologischen Unterschieden zwischen den Bergen links und rechts des Inn kommt man mit den bisherigen Maßzahlen noch nicht gut auf die Spur. Das Bild ist insbesondere bei den Tuxer Bergen einigermaßen widersprüchlich. Auf Platz 1 befinden sich je nach betrachtetem Merkmal der Lizumer Reckner, der Rastkogel bzw. das Kellerjoch. Anders in den Karwendelbergen: Hier führt der Bettelwurf in jeder der Kategorien.

Weder Höhe, noch Prominenz noch Isolation allein sagen viel über die Mächtigkeit von Bergen aus. Eher schon geht es um die Verknüpfung aller drei Merkmale und um die Anreicherung um weitere Aspekte. Mit dem Verfahren der Bergwertung gelingt dies. Alle genannten Parameter fließen hier ein, dazu auch das Verhältnis der Berge zur näheren und ferneren Gipfelflur. Was das betrifft, so haben die Tuxer Berge einen Nachteil: sie werden durch die Olperergruppe im Süden erkennbar überragt – in dieser Hinsicht ist der Name „Voralpen“ dann vielleicht doch nachvollziehbar. Der ganz offensichtliche Unterschied zwischen den Gebirgsgruppen dürfte aber in ihrer Schroffheit bestehen. In dieser Hinsicht haben die Karwendelberge eindeutig die Nase vorn. Sie verfügen über erheblich ausgeprägteres Relief. Das entsprechend auf eine einzelne Punktzahl verdichtete Ergebnis zeigen die Top 10 nach der Bergwertung.

Karwendel  Punkte Tuxer Voralpen  Punkte
Großer Bettelwurf 3633 Lizumer Reckner 2639
Großer Lafatscher 3168 Rosenjoch 2518
Kleiner Solstein 2926 Hirzer 2516
Hochnissl 2911 Kalkwand 2490
Eiskarlspitze 2841 Malgrübler 2477
Brantlspitze 2836 Rastkogel 2367
Grubenkarspitze 2805 Kellerjoch 2248
Speckkarspitze 2607 Torspitze 2173
Rumer Spitze 2534 Gilfert 2120
Lamsenspitze 2529 Hippoltspitze 1991

Die Punktzahlen der beiden Gebirgsgruppen unterscheiden sich ganz erheblich. Das Niveau innerhalb der Karwendel-Top-10 liegt um etwa 500 bis 1.000 Punkte höher als in den Tuxer Voralpen. Der Große Bettelwurf, der in allen hier betrachteten Kategorien bereits vorne lag, punktet besonders in Sachen Relief und sichert sich somit unangefochten den Spitzenplatz. Während alle Berge der Karwendel-Top-10 mehr als 2500 Punkte haben, erreichen dies in den Tuxer Top 10 nur drei. Die Punktzahl von Platz 1 der Tuxer (Lizumer Reckner) entspricht etwa Rang 8 des Karwendels. Der Reckner ist dabei der einzige Berg, der es überhaupt in die gemeinsame Top 10 beider Gebirge schafft.

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Höchster Tuxer und doch nur der einzige in der Top 10 der Region: Lizumer Reckner

Auf die Plätze 10 beider Ranglisten schaffen es Berge, die in keiner der zuvor präsentierten Listen (zu Höhe, Isolation und Prominenz) aufgetaucht waren: Lamsenspitze und Hippoltspitze. Beide punkten durch Relief und Zugehörigkeit zur regionalen Gipfelflur.

Schließlich lohnt noch ein Blick auf die Plätze 11 beider Regionen: Im Karwendel gelangt auf diesen Platz die Hohe Fürleg, das Osteck des Bettelwurfkamms, und damit der Berg mit dem ausgeprägtesten Relief der gesamten Region – trotz geringer Eigenständigkeit und Isolation. In den Tuxer Bergen landet auf Platz 11 der Glungezer, eine Erhebung, die ganz im touristischen Interesse der Sektion Hall steht. Für eine höhere Platzierung sind bei ihm Eigenständigkeit (50 m) und Isolation (1,0 km) ebenso zu gering ausgeprägt wie sein Relief. Er ist nicht mehr und nicht weniger als der Eckpunkt eines mächtigen Kamms, dessen Punkte nach der Bergwertung am ehesten dem Rosenjoch zustehen. Egal, dank seiner gipfelnahen Hütte ist und bleibt der Glungezer das klassische Tourenziel für die Übernachtung am Berg. Und was ist mit dem Geier, dem anderen der beiden Berge, die im Titel des Mitteilungsblättchens der Sektion auftaucht? Er liegt in der Rangliste nach der Bergwertung mit 1937 Punkten knapp hinter dem Glungezer. Auch er verdankt seine Bekanntheit wohl weniger seiner Morphologie, sondern der Schönheit der Tour auf seinen Gipfel.

Berge Vorarlbergs – das Ländle im Bergwertungs-Check

Die Bergwelt Vorarlbergs ist von besonderer landschaftlicher Schönheit. Im „Ländle“, wie das westlichste Bundesland Österreichs auch genannt wird, vereinen sich Voralpenland und Hochgebirge zu einer abwechslungsreichen Einheit auf kleinem Raum. Die Entfernung vom norwestlichen Eck des Bundeslands in Bodenseenähe zum Kamm der Silvretta an der Grenze zum Schweizerischen Unterengadin beträgt gerade mal 88 km. Geprägt ist die Landschaft von geologischer Vielfalt (Molasse, Flysch, Kalk, Gneis, …), zahlreichen Seen und – leider auch – ziemlich deutlichen Spuren des Skizirkus. Zur Voarlberger Bergwelt habe ich persönlich eine besondere Beziehung: Hier erklomm ich in den 1970er und 1980er Jahren als Kind und Jugendlicher erste bedeutende Gipfel wie Widderstein, Braunarlspitze und Roter Wand.

Aus diesem Grund war mir die vertiefte Auseinandersetzung mit den Bergmaßen dieses Landstrichs ein besonderes Anliegen. Die Erfahrungen von damals zeigten mir: Die höchsten Berge sind hier bei weiten nicht die bedeutendsten. Im Lechquellengebirge ist die höchste Erhebung (Gr. Wildgrubenspitze) weit unauffälliger als etwa die 50 m niedrigere Rote Wand. So fragte ich mich: Lassen sich diese Beobachtungen anhand der Bergwertung verifizieren? Und welche Rolle spielen bei den Top 10 Vorarlbergs die über 3000 m hohen Gletscherberge der Silvretta? Wie gut kann die Zimba dem Anspruch gerecht werden, das „Matterhorn Vorarlbergs“ sein zu sollen?

Mohnenfluh
Im hintersten Bregenzer Wald – hier Schröcken mit der Mohnenfluh – zeigt sich das Lechquellengebirge von seiner unberührten und gewaltigen Seite

Die Vermessung der Vorarlberger Bergwelt mit dem Verfahren der Bergwertung führt zu folgender grundlegender Beobachtung: Vorarlberg verfügt über vier „Dreitausender“ und 28 Berge mit mehr als 2500 Punkten. Alle finden sich in folgender Liste:

Rang

Berg

Punktzahl

Höhe (m)

Isolation(km)

Prominenz (m)

1.

Schesaplana

3852

2964

30,3

809

2.

Piz Buin

3210

3312

6,1

544

3. Pflunspitze 3163 2912 5,6 957
4. Rote Wand 3070 2704 11,0 878
5. Zimba 2996 2643 5,3 578
6. Großer Drusenturm 2972 2830 7,9 628
7. Gr. Seehorn 2964 3122 4,5 434
8. Braunarlspitze 2875 2649 5,6 600
9. Widderstein 2871 2533 6,5 845
10. Panüeler Kopf 2868 2859 2,4 146
11. Gr. Wildgrubenspitze 2867 2753 6,5 980
12. Vallüla 2778 2813 3,6 777
13. Zitterklapfen 2753 2403 6,7 563
14. Valschavieler Maderer 2751 2769 7,2 469
15. Spuller Schafberg 2745 2679 3,7 670
16. Sulzfluh 2727 2817 2,6 475
17. Wildberg 2715 2788 1,5 163
18. Valluga 2695 2809 8,8 572
19. Silvrettahorn 2665 3244 2,3 204
20. Fundelkopf 2629 2401 4,0 371
21. Isentällispitz 2628 2873 3,6 384
22. Hochkünzelspitze 2622 2397 4,4 337
23. Brandner Mittagspitze 2617 2557 1,8 170
24. Dreiländerspitze 2612 3197 2,0 306
25. Östl. Eisentalerspitze 2604 2753 2,4 358
26. Schrottenkopf 2572 2890 3,1 270
27. Zirmenkopf 2556 2805 0,5 100
28. Hochmaderer 2545 2823 2,1 318
29. Drusenfluh 2538 2827 0,8 190
30. Seekopf 2532 2698 1,1 163
31. Mohnenfluh 2515 2542 2,1 400
32. Karhorn 2514 2416 3,7 706

Die Plätze 1 bis 4 verteilen sich auf vier verschiedene Gebirgsgruppen: Rätikon, Silvretta, Verwall und Lechquellengebirge. Unter den Top 20 befinden sich lediglich vier Berge der Silvretta, obwohl dieses Gebirge die höchsten Berge stellt. Zusammen mit zwei Bergen des Verwall kommen die Zentralalpen nur auf sechs Top-20-Plätze. Die Eigenständigkeit und das Relief der Berge sind in diesem Teil der Alpen schwächer ausgeprägt als in den Teilen Vorarlbergs, die sich den Nördlichen Kalkalpen zurechnen lassen. Die vierzehn übrigen Plätze der Top 20 sind wie folgt vergeben: 7 mal Rätikon, 5 mal Lechquellengebirge sowie je 1 mal Allgäuer und Lechtaler Alpen (von diesen Gebirgsgruppe befinden sich nur kleine Teile auf Vorarlberger Landesgebiet). Das den Voralpen zuzurechnende Gebiet des Bregenzerwaldgebirges hat seine mächtigste Erhebung in der Kanisfluh auf Platz 41 (2415 Punkte).

Unter den Top 30 befinden sich gleich fünf Gipfel des Alpsteinstocks, wie das Massiv der Schesaplana im Rätikon auch genannt wird – nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Alpstein jenseits der Rheintalfurche. Dieses vielgipfligen Massiv verfügt über vergleichsweise so viel Relief, dass die geringen Prominenz- und Isolationswerte der nachgeordnet hohen Gipfel hier mehr als kompensiert werden.

Ach ja, und die Zimba? Was hat das markante Rätikon-Spitz nun mit dem Matterhorn gemeinsam? Sie kann zunächst nicht mehr als nur eine Miniaturausgabe des großen Bruders in der Schweiz sein, ist ihre relative Höhe mit 2226 m doch nur gut halb so groß wie die des Matterhorns (4088 m). Aber nimmt man einmal diese Größenordnung als gegeben (Zimba = 0,55 Matterhorn), so ergeben sich erstaunliche Parallelen: Die Prominenz der Zimba entspricht 56 % der Schartentiefe des Matterhorn, also auch hier näherungsweise: Zimba = 0,55 Matterhorn! Und noch etwas: Die Isolation des Matterhorns beträgt 17,5 % der Isolation des mächtigsten Schweizer Berges, des Monte Rosa. Und wen wundert jetzt, dass die Isolation der Zimba exakt 17,5 % der Isolation des mächtigsten Vorarlberger Berges misst? So ist es kein Zufall, dass Matterhorn wie Zimba nicht an der Spitze der jeweiligen Landes-Top-10 stehen. Beim Relief läuft die Zimba dem großen Bruder sogar den Rang ab und erreicht mit 61,2 % einen leicht besseren Reliefwert als das Matterhorn (58,9 %). Und schafft es so auf Rangplatz 5, während das richtige Matterhorn „nur“ Platz 6 der Schweizer Liste erreicht.

Top 100 – Die mächtigsten Berge der Alpen

Hier sind sie – die 100 wichtigsten Alpenberge nach der Berechnungsweise der Bergwertung. Erwartungsgemäß erhält der Montblanc als mächtigster Alpenberg eine Punktzahl in Nachbarschaft zu den höchsten Bergen Ozeaniens (Carstensz-Pyramide) und Afrikas (Kilimandscharo), knapp 7000 Punkte. Dann folgen in der Rangliste zwei „Fünftausender“ und 52 „Viertausender“. Für das Erreichen von Platz 100 reichen dem Monte Emilius im Aostatal 3717 Punkte.

Unter den Top 100 befinden sich 54 Westalpen- und 46 Ostalpenberge – ein recht ausgewogenes Bild. Unter den Top 10 sind indes nur drei Ostalpenberge. Die wahren Riesen der Alpen befinden sich wohl doch im Westen. Hier geht es zur Karte der 100.

Rang

Berg

Punktzahl

Höhe (m)

Isolation(km)

Prominenz (m)

1.

Montblanc

6913

4810

2812,0

4697

2.

Monte Rosa Dufourspitze

5668

4634

78,2

2165

3. Barre des Ecrins 5036 4102 107,3 2045
4. Monte Viso 4985 3841 60,4 2062
5. Weisshorn 4971 4506 11,1 1235
6. Dom 4931 4545 16,8 1046
7. Ortler 4895 3905 49,0 1950
8. Piz Bernina 4850 4049 138,0 2234
9. Finsteraarhorn 4846 4274 51,7 2279
10. Monte Antelao 4790 3263 31,0 1723
11. Triglav 4739 2864 72,3 2059
12. Matterhorn 4675 4478 13,7 1031
13. Großglockner 4668 3798 175,0 2428
14. Gran Paradiso 4660 4061 44,4 1879
15. Wildspitze 4632 3768 48,6 2258
16. Grand Combin de Grafeneire 4591 4314 26,4 1517
17. Pointe de la Grande Casse 4589 3855 36,3 1305
18. Jungfrau 4577 4158 8,2 692
19. Hoher Dachstein 4518 2995 47,7 2136
20. Marmolada di Penia 4511 3342 55,3 2137
21. Montasch 4463 2751 31,3 1595
22. Tödi Piz Russein 4443 3614 42,0 1570
23. Monte Civetta 4439 3220 16,0 1447
24. Cima Sud Argentera 4431 3297 54,3 1306
25. Mont Pourri 4392 3779 13,8 1127
26. Rheinwaldhorn 4390 3402 35,0 1337
27. Hochkönig 4359 2941 34,4 2176
28. Grivola 4352 3969 8,5 714
29. Schreckhorn 4334 4078 5,5 794
30. Grand Pic de la Meije 4324 3983 9,6 825
31. Dent Blanche 4314 4357 7,2 915
32. Dent Parrachée 4272 3697 13,1 1182
33. Grandes Jorasses 4251 4208 7,7 843
34. Ringelspitz 4222 3247 29,9 840
35. Punta Sorapiss 4219 3205 7,2 1085
36. Bietschhorn 4196 3934 13,4 806
37. Großer Priel 4186 2515 41,0 1711
38. Mönch 4181 4107 3,5 589
39. Grintovec 4170 2558 53,2 1704
40. Weissmies 4166 4017 11,0 1171
41. Hochfeiler 4154 3510 49,1 957
42. Balmhorn 4152 3698 12,3 1022
43. Zugspitze 4144 2962 25,9 1746
44. Pointe de Charbonelle 4140 3752 22,4 994
45. Cima Presanella 4125 3556 18,4 1672
46. Aletschhorn 4117 4193 12,9 1035
47. Sommet des Diablerets 4098 3210 14,3 968
48. Dreischusterspitze 4095 3152 13,7 1393
49. Monte Disgrazia 4092 3678 15,0 1116
50. Aig. Verte 4066 4122 7,4 689
51. Monte Cristallo 4058 3221 10,6 1412
52. Pizzo di Coca 4057 3050 18,8 1875
53. Piz Linard 4055 3410 24,9 1027
54. Tofana di Mezzo 4020 3244 18,6 1369
55. l’Ailefroide Occidentale 4005 3954 4,1 762
56. Hohe Warte 3990 2780 33,7 1144
57. Pizzo Tambo 3981 3279 16,8 1164
58. Hintere Schwärze 3965 3624 12,8 809
59. Cima della Vezzana 3961 3192 16,0 1274
60. Monte Mangart 3958 2677 12,7 1066
61. Gr. Fiescherhorn 3951 4049 4,8 398
62. Hochtor 3927 2369 20,8 1520
63. Dents du Midi Haute Cime 3922 3257 19,0 1796
64. Monte Pelmo 3918 3168 7,5 1395
65. Hochalmspitze 3916 3360 45,6 946
66. Hoher Riffler 3913 3168 23,7 1326
67. Dammastock 3910 3630 21,7 1466
68. Watzmann-Mittelspitze 3908 2713 15,6 948
69. Langkofel 3892 3181 11,8 1124
70. Dent d’Hérens 3888 4171 3,7 698
71. Monte Baldo Cima Valdritta 3884 2218 22,1 1948
72. Hochgall 3873 3436 13,8 1148
73. Mont Pelvoux 3864 3943 3,3 465
74. Cima Tosa 3854 3173 16,4 1491
75. Schesaplana 3852 2964 30,3 809
76. Birkkarspitze 3850 2749 26,9 1564
77. Titlis 3839 3238 6,8 978
78. Olperer 3819 3476 10,3 1230
79. Blümlisalphorn 3817 3661 7,8 887
80. Oberalpstock 3817 3328 12,8 708
81. Birnhorn 3816 2634 15,5 1665
82. Skrlatica 3815 2740 5,9 982
83. Gr. Wiesbachhorn 3809 3564 9,8 484
84. Eiger 3805 3970 2,0 363
85. Liskamm 3798 4527 2,8 376
86. Haldensteiner Calanda 3792 2804 6,5 1446
87. Uia di Ciamarella 3781 3676 8,8 662
88. Aig. d’Arves Meridionale 3776 3514 12,7 1431
89. Großvenediger 3772 3667 26,0 1186
90. Hohe Gaisl 3768 3146 7,5 1092
91. M. Adamello 3759 3554 14,8 724
92. Doldenhorn 3747 3638 3,6 654
93. Säntis 3744 2502 25,8 2017
94. Täschhorn 3726 4491 1,1 210
95. Aig. de Scolette 3726 3506 14,2 1072
96. Aig. de la Grande Sassière 3725 3747 11,1 1197
97. Rimpfischhorn 3725 4199 4,6 642
98. Carè Alto 3721 3465 9,2 480
99. Cime du Gelas 3718 3143 8,4 669
100. Monte Emilius 3717 3559 12,8 739

Hier können die Definition und die Herleitung der Koeffizienten nachgelesen werden.

Kein Land stellt mehr der 100 mächtigsten Berge als Italien. Zu den 38 italienischen Bergen der Liste wurden Montblanc, Monte Rosa und Bernina nicht einmal mitgezählt, da die höchsten Punkte der Massive in Frankreich bzw. der Schweiz liegen. Auf Platz 2 unter den Ländern liegt die Schweiz mit 36 Bergen, gefolgt von Österreich (17), Frankreich (15), Slowenien (4) und Deutschland (2). (Grenzgipfel wurden beiden Ländern zugerechnet.)

Neben einigem Erwartbaren hält die Liste so manche Überraschung bereit: Aus den zentralen Ostalpen haben es eher wenige Berge in die Top 100 geschafft, nicht einmal die im Bereich der Ötztaler Alpen durchaus bedeutende Weißkugel, die mit 3698 Punkten knapp außerhalb auf Platz 103 landet. Zu gering ist in diesem Teil der Alpen das Relief der Landschaft ausgeprägt. Ganz anders die Dolomiten: Mit ihren steilen und oft sehr eigenständigen Bergstöcken stellen sie 11 der 100 mächtigsten Alpenberge.