Was einen Berg zu einem „bedeutenden“ Berg macht ist eine ebenso viel diskutierte wie offene Frage: seine Form, seine Größe, seine Höhe, seine Erhabenheit, die Geschichten, die sich um ihn ranken und vieles mehr. Nicht alles davon ist messbar, und das ist auch gut so. Und doch: Wenigstens seine geografische Bedeutung („Größe“ oder „Mächtigkeit“) meine ich theoretisch modellieren und empirisch messen zu können. Dieses Verfahren nenne ich – Freunde des Radsports mögen mir das nachsehen – „Bergwertung“.

Auf dieser Webseite stelle ich vor, welche theoretischen Grundannahmen dem Modell zugrundeliegen und mit welcher Gesamtformel mir das theoretische Modell gut in eine Punktwertung übersetzbar erscheint. Zugleich zeige ich, zu welchen Ergebnissen die Anwendung der Formel führt, das sind zum Beispiel Klassifizierungen für Berge und Ranglisten der mächtigsten Berge (z.B. für die Alpen oder für Deutschland). Stand heute (März 2018) umfasst meine Datengrundlage Geodaten von über 1100 Bergen.

Pro Berg werden hierzu 7 Daten erhoben:

  • Höhe
  • Entfernung zum nächst höheren Punkt
  • Schartentiefe
  • tiefster Punkt im Umkreis von 30 km
  • höchster Punkt im Umkreis von 30 km
  • höchster Punkt im Umkreis der „relativen Höhe“ des Berges
  • tiefster Punkt im Umkreis der „relativen Höhe“ des Berges.

Mit diesen Werten lassen sich die relevanten Merkmale bestimmen, aus denen sich die Größe eines Berges zusammensetzt: seine relative Höhe, seine Eigenständigkeit und Alleinherrschaft, seine Steilheit und das Überragtwerden durch andere Berge.

Was das alles soll? Es handelt sich zunächst einmal um die Spielerei eines Hobbygeografen und Bergfan. Die Wurzeln der Beschäftigung mit dem Thema liegen in meiner Jugend, als ich fand, dass die von mir seinerzeit bestiegenen Berge durch ihre Höhenzahl höchst „ungerecht“ beschrieben wurden. Die niedrigeren Berge in Vorarlberg waren teilweise viel beeindruckendere Gestalten als ihre höheren Geschwister im Wallis. Schon damals fing ich an, komplexere Maßzahlen für Berge zu erfinden, lange bevor ich Begriffe wie Prominenz und Dominanz kennenlernte.

Praktischen Nutzen kann der Bergwertungs-Spaß sogar auch entfalten: z.B. für Landkartenmacher, die entscheiden müssen, in welchem Schriftschnitt und in welcher Schriftgröße sie Bergnamen auf Landkarten verzeichnen. Da kann ihnen die Klassifizierung ein Anhaltspunkt sein. Und bei der Tourenwahl spielt es vielleicht auch eine Rolle, welche Punktzahl die Besteigung eines Berges „verspricht“ – neben der Schönheit des Aufstiegsweges und anderen Kriterien, die von der Bergwertung nicht erfasst werden.

Mir ist klar, dass mein Vorgehen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten als noch wenig tragfähig angesehen werden muss. Schließlich sind alle Modell- und Gewichtungsentscheidungen, die der Formel zugrunde liegen, allein von mir getroffen. Sie bedürften einer kommunikativen Validierung durch andere. Dafür stelle ich neuerdings auch eine Datei bereit, mit der die Punktwertung nachvollzogen und selber durchgeführt werden kann.

Interessant ist indes, dass die Geografie ihrerseits keine annähernd so komplexe Theorie der Berge und ihrer geografischen Bedeutung entwickelt hat – zumindest ist mir keine bekannt. So wäre ein verstärkter Austausch zwischen Fachleuten und Freaks vielleicht nicht die schlechteste Perspektive. Meine WordPress-Seite ist hierzu ein stetig wachsender Beitrag. Ich freue mich über Anregungen aller Art, die der Sache dienen.

Peter Brandt

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Ein Gedanke zu “Wann ist ein Berg ein Berg? Größe und Mächtigkeit messen

  1. Zum 3. März 2018 greift ein verändertes Berechnungsverfahren. Dieses betrifft aber lediglich die Umrechnung des Relevanzwertes in Punktzahlen. Die Modellierung der Relevanz und die Rangreihen bleiben dadurch unangetastet. Die einzelnen Beiträge auf der Seite werden bezüglich der dokumentierten Punktzahlen nach und nach aktualisiert.

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